Collection: Raster Family Letters
Author: Anna Oppenheim
Recipient:
Description: Letter from Anna Oppenheim to her daughter, Margarethe Oppenheim Raster, and son-in-law, Hermann Raster, January 27, 1884.
Original text
Mein lieber Raster!
Als vorgestern ein Brief von Dir an Adolph ankam, zeigte er ihn mir auf mein Verlangen und gab mir zugleich auch Deinen Brief vom 11/12. 83, woraus er mir bis jetzt nur Bruchstücke mitgetheilt hatte; es war dies eine ganz unnöthige Vorsicht, denn, selbst wenn Gertrud wirklich hergekommen wäre, hätte ich doch nie mit ihr darüber gesprochen, denn ich werde in dieser Angelegenheit niemals mit Thümlers selbst verhandeln. Ich bin Dir unendlich dankbar, lieber Raster, für Deine liebevolle Theilnahme und Vorsorge für mich, daß ich Dir gar nicht sagen kann, wie sehr mich dieselbe bewegt und gerührt hat. Adolph und ich denken unser ferneres Leben so ruhig, gleichmäßig und einfach fortzuführen, wie bisher + wenn auch Adolph kein reicher Mann ist, so denken wir doch, daß sein Einkommen für gewöhnlich für uns Beide hinlänglich ausreichen wird. Wir sind zwei alte Leute, die durchaus keine Ansprüche machen, wir gehen nicht in Gesellschaften, geben keine und machen überhaupt keinerlei Verfügungen mit; sollten außergewöhnliche Anforderungen auftreten, so werde ich ohne Zögern und ohne Scheu, Deinen mir so herzlich angebotenen Beistand in Anspruch nehmen, der mir, das weiß ich ja, gern von Dir gewährt wird.
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Über Hugos Abscheulichkeit habe ich keine Worte, aber noch mehr betrübt mich Gertruds Verhalten und unverzeihlich [?] unliches [/?] Benehmen. Bei Thümlers nehmen die Festlichkeiten kein Ende, Weihnachten große Mittagsessen und Sylvester eine große Abend gesellschaft mit Filetbraten und prachtvollen eingemachten Früchten, die sie sich eigens dazu haben von Bremen kommen lassen, dazu schwere Weine und schließlich eine Bowle, die drei Mal erneuert wer=den mußte. Sie scheinen sich auch des Geldes wegen keinen unru=higen Augenblick zu machen. Gertrud hat vorgestern erst an Adolph geschrieben und gemeint, die Sache wäre doch recht einfach abzuwickeln, da doch nur noch eine Auseinandersetzung sehr zwischen der Mutter + Hugo abzumachen sei, die Übrigen würden ja doch entsagen. Ich habe natürlich Otto Frenkel Alles übergeben und ihn beauftragt, energisch und ohne Rücksicht vorzugehen
Mit meiner Wiederherstellung geht es doch sehr langsam, ich kann bis jetzt nur auf einen Stab gestützt, durch das Zimmer humpeln und auch nur einen kleinen Theil des Tages außerhalb des Bettes zubringen, da ich noch immer viel Schmer=zen in der gelähmten Seite habe. Den Arm kann ich noch
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gar nicht bewegen und geben mir die Ärzte auch wenig Hoffnung, daß ich ihn wie früher werde gebrauchen können. Wenn der Sommer erst da ist, soll ich zunächst eine längere Cur in Wiesbaden gebrauchen und dann wahrscheinlich noch eine zweite Cur durchmachen.
Grethchens Zustand beunruhigt mich sehr, ich sehe mit Sehnsucht einer Nachricht über ihr Besserbefinden entgegen und will wünschen, daß sie recht bald eintreffen möge.
Adolph will noch einige Zeilen an Dich schreiben.
Lebe wohl nun, lieber Raster, sei herzlich gegrüßt und laß recht bald wieder von Dir hören.
Grethchen und den lieben Kindern viele, viele Grüße
Anna
Dessau, 26/1. 84.
Ich kann doch nicht umhin, noch zu erwähnen, lieber Raster, daß, wenn O. in seinem Testamente bemerkt, ich hätte das Silber verschwinden lassen, ich nur in so weit von dem überflüssigen Silber (Leuchter, Küchenkörbe) verkauft habe, als ich gebrauchte, um den Kindern die nothwendigen Kleidungs=stücke anzuschaffen, nachdem er mir die Mittel dazu entschieden
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verringerte; überdieß ist der Verkauf mit seinem Wissen geschehen + hat er die Stücke dazu selbst angegeben. In Betreff der Möbel, von denen er schreibt, ich hätte den besten Theil an mich gebracht, hat er vergessen, daß die Theilung der Möbel mit seiner Zustimmung unter Beistand von Hagelberg und Jerôme vollzogen wurde. Gerade den besten Theil der mir zuerkannten Möbel habe ich übrigens Gertrud zur Aussteuer mitgegeben und hat er sich sogar diese Sachen bei der Summe, die er zur Aussteuer bestimmt hatte, mit 400 Thalern angerechnet. Was ich nun noch an Sachen habe (worauf man in Berlin auch schon ein Auge geworfen zu haben scheint,) (da Hugo mir schon vor Jahren gesagt hat, O. habe gesagt hat, ich könnte ihnen doch die schönen großen Schränke auch noch geben) soll Grethe allein und ausschließlich bekommen, wie überhaupt Alles, was ich noch einmal hinterlassen werde. Das Geld, welches ich aus der Hinterlassenschaft noch erlange, werde ich Dir dann gleich zugehen lassen, Du magst es dann nach Deinem Belieben anlegen + mir, so lange ich lebe, angemessen ver=zinsen. Nochmal viele Grüße, lieber Raster! Anna
Dessau, 27/1. 84.
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Lieber Raster! Ich habe Otto Frenckel die Mittheilung
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Letter metadata





