Collection: Crede Family Papers
Author: Franz-Joseph Derenthal
Recipient: Margarete Versen (Schröder Classen)
Description: Letter from Franz-Joseph Derenthal to Margarete Classen, 1849. Derenthal explains (page 3) that he initially began writing the letter on November 15, 1847, but that he laid it aside for two years and it was not finished until November 2, 1849. Franz-Joseph Derenthal's sister was married to Margarete Classen's brother, making them relatives by marriage.
Original text
Cörbecke d 15 November 1847
Liebe gute u theuerste Schwester!
Da Du nach deinen Briefen von mir keinen Brief erhalten hast, so will ich auch jetzt mal schreiben, vielleicht mögte dieser wohl in deine Hände gelangen.
Was soll ich Dir nun zuerst schreiben? Da man gewöhnlich zuerst an sich selbst denkt, so sei es denn das Erste, Dir leider die traurige Nachricht mitzutheilen, daß meine gute Frau bereits seit 1842 ganz erblindet ist, ich habe alles angewendet, um das Uebel abzuwenden, allein es ist keine Hülfe zu hoffen, nach diesem Sommer, wo ich in Berlin den Landtagen beiwohnte und dort 12 Wochen zubrachte, suchte ich bei dem berühmten Augenarzte Professor [?] Füngtnen [/?] Rath für sie, allein wie ich ihm auch zugleich sagte, daß sie geschwollene Füße habe, widerrieth er die Operation, weil sie dann gewöhnlich mislich ausfielen sie ist recht Gott ergeben und findet sich in ihr hartes Schicksal, sie war vor 2 Jahren mal so krank und lag ½ Stunden in einem Starrkrampfe, daß wir sie für todt hielten, erst nachdem ich sie nach dieser Zeit mehrmalen beim Namen rief, schlug sie die Augen auf, blieb jedoch bis der abend 8 Uhr ohne Sprache und Verstand, welcher sich nach und nach erst wieder einstellte, dabei war sie in den händen so gelähmt, daß ich sie fast ½ Jahr füttern musste, jetzt ist sie Gottlob ziemlich wohl, kann auch wieder stricken, weist sich auf der stube recht gut zu finden, gehet aber nirgends hin, der Sommer gehn wir auf dem Felde spazieren oder fahren bis in der Stadt [illegible] wir haben nemlich jetzt von Bükne bis Warburg einen chaufirten Steg worauf man nur leicht nach Warburg kommen kann. Sieh liebe Schwester so hat ein jeder sein Päckchen, der eine auf dieser der andere auf jene Art, meine Schwiegermutter ist im Maÿ 1846 gestorben. Nun zu den Lebendigen. Oldenburg und Marienmünster sind verkauft, ersteres an H v. Oynhausen
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Letzterer an Herman, welcher Ottilie Wagener, die Tochter des in Rothenburg verstorbenen Wagener von Waldenhagen geheiratet hat, und bereits ein kleines Mädchen hat. Durch den Verkauf ist den Kindern ein Vermögen von 27000 ₰ geworden, wovon jedes der 7 Kinder bereits 3000₰ erhalten und jeder noch 1000₰ nach der Großmutter Tode erhält, wofür die 7000₰ zur Bestreitung der Leibzucht von H. von Oynhausen einbehalten werden. Die Mutter ist noch in demselben Zustande wie früher, sie ist ganz wohl und rege und sucht für ihre anderen Kinder noch ein ziemliches Vermögen zu erwerben, wovon aber die Kinder ihres Sohnes Bernard ausgeschloßen bleiben. Albert hat sich in Ostpreußen 250 Stunden von hier angekauft, er betreibt 270 Morgen Land und hat dafür 2'600₰ gegeben, es muß dort jedoch ein rauhes Klima sein. August ist bei mir und werde ich demselben mein Gut verpachten, welches ich jetzt vergrößert habe, ich habe seitdem noch eine 110 Fuß lange Scheune gebaut und beabsichtige noch ein Windhaus zu bauen. Pauline ist an Sarrazin in Brennhausen ver- heiratet, welcher Witwer von drei Kindern war, sie selbst hat bereits zwei Kindern und geht es ihr ganz gut: Berta, Ferdinand und Marie sind noch bei mir, Ferdinand war in Fritzlar, u. Marie ist jetzt noch da, Berta und Ferdinand versehen jetzt den Haushalt, so wie August die oeconomie. Bruder Meynberg wohnt in Rheine 7 Stunden hinter Münster, [?] Wiedhold [/?] in Münster, beide als Advokat, Herman in Frankfurth und wo Clemens wohnt weiß ich nicht. Auf Klingenburg wohnt jetzt ein [illegible] aus Bredelar u Rothenburg, u Ubelgönne sind vereint an Joerns aus Braunschweig verpachtet, Dalheim an Brintmann, welcher eine Dornhauser geheiratet hat. Das Rothehaus ist an Aussermühle in Dalheim für deßen Grundstücke in Dalheim vertauschet. Es hat sich in der Zeit manches verändert, Mutter ist todt, die Witwe ist Pächterin in Bükne auf den hofe, wo Grean wohnte, der alte Möllers u Frau leben noch, allein die Gastwirthschaft haben sie davon gegeben und jetzt nur blos das Casino noch im hause deiner Schwester Schwager u. Kindern geht es noch recht gut. Die meisten sind verheirathet u zwar alle in Braunl. Im vorigen Jahre 1846 brannten über 20 Häuser bei der [illegible] ab, u so auch der älteste Rose Sohn. Schiller wohnt in Schwalenberg u hat wie Du weißt das gute Netchen schon lange verloren, mit der zweiten Frau einer Evangelischen aus Bielefeld lebt er ganz in Unfrieden und ist ein unnützer Mensch. Die beiden Mädchen sind erwachsen, werden aber wahrscheinlich durch ihn verdorben. Hesse ist Bürgermeister in Briton und ein geachteter Mann, die älteste Tochter ist an einen Doctor sehr gut verheiratet. Die andere noch unversorgt, ich glaube eine will ins Kloster gehen. August war dort auf den von Bocholy'schen für 4 Gütern 1½ Jahr Administrator, wo er 300₰ Gehalt hatte, weil ich ihn gern zu hause haben wollte, so habe ich dem Grafen meinen Verwalter aus Eisen und meinen Großknecht
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aus Kaleburg [illegible] Hause ebenfalls auch als Verwalter überlassen womit er sehr zufrieden ist. Ersterer bekommt 500₰ und letzterer 80₰ Gehalt. Clothilden u Creden habe ich in einigen Jahren nicht gesehen, es soll Ihnen aber gut gehen, zu seinem Jüngsten bin ich Pathe und heißt derselben Albert ! Diesen Sommer aber werde ich sie besuchen.
Cörbecke d 2 Novb 1849
Lange hat der Brief in meinem Pulte geruhet, ehe er an seinem Bestimmungs Orte zuge- gesandt worden und zwar deshalb, viel ich befürchtet, er würde derselben Schicksal haben, wie meine früheren, welche nicht angekommen sind; da sich jedoch jetzt eine Gelegenheit nach New Orleans fühet, so dachte ich daß dieser wohl ankommen wird.
Ich habe dich vorn und zurück die Leiden mitgetheilt, welche meinen gute Frau hatte, jetzt will ich wieder mit dem Jüngsten beginnen, jedoch dir leider mit- theilen, daß es 1en am 4. July d. J. an den Folgen der Wassersucht verloren haben, so wie [illegible] gelebt ist u gestorben. Gott ergeben und sanft, ihre Schmerzen ertrug sie mit der größten Geduld, hart ist der Verlust für mich gewesen, fast 30 Jahre habe ich mit ihr zufrieden und glücklich gelebt / doch ihr das Himmelreich geworden. Wie groß wird ihre Freude gewesen sein, nach so langer Zeit die ewigen Freuden auf einmal anzuschauen, ich welcher wünsche, mit ihr dereinst sterben zu können.
Mein Gut habe ich auf Jacobi d. J. an Aug. verpachtet, welcher Ferdinande den Haushalt verrichtet, ich wohne mit Berta, welche noch unverheirathet ist auf der anderen Seite des Hauses, wo ich für mich 7 Zimmer habe einrichten laßen, ich gehe bei Aug. in die Kost, halte jedoch noch auf 3 Morgen Land 2 Pferde, welche ich dann zugleich als Lastpferde benutzen. Auf keinen Falle gedenke ich mich wieder zu verheiraten, ich werde mein Leben entweder hier oder in München beschließen.
Clotilden habe ich nach meiner mir unvergeßlichen Frauen Tode besucht und sie und ihre 6 Kinder wohl und munter gefunden und da ich für mich nach zwei Schweinchen behalten, so habe ich ihr auf diesen Herbst nur Futter geschenkt, welches ich ihr in diesen diesem Monate noch schicken oder selbst bringen werde.
Daß die Großmutter in Oldenburg vorigen Frühjahr an [illegible] gestorben, wirst du bereits wissen. Herm. hat bereits 2 Mädchen, Pauline dagegen siehet nebst ihren 3 Kindern der 4te Niederkunft entgegen. Louise ist mit einem Bruning verlobt, der Sohne der früheren Lottchen Rinteln. Berta wird von den obigen Verwalter Berendés, welcher 500 ₰ Gehalt hat, geliebt, ohne daß sie jedoch rechte Neigung zeigt, welches mir nicht lieb ist, indem Berendés ein tüchtiger braver und beim Grafen sehr beliebt ist.
Nun meine liebe Schwester habe mit deiner Gemale, dem ich, mich tunlicht dem rcht wohl, gedenken zuweilen deinem trauerdem Bruder so will ich deiner oft gedenken. Heinden werden wir uns wohl nie wieder sehen, also dort aber! Schreibe mir bald wieder, ich werde gleich antworten, meine Kinder, Aug. Berta, Ferdinand i Marie grüßen Euch freundlich u herzlich so wie
Dein Dich liebender Bruder
Derenthal
Letter metadata



