Collection: Crede Family Papers
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Margarete Versen (Schröder Classen)
Description: Letter from Heinrich and Clothilde Crede to Clothilde's mother and stepfather, Margarete Classen and John Classen, July 22, 1850.
Original text
[roman:] [underline] Cassel, am 22ten Juli 1850. [/underline] [/roman]
Liebe Frau Mutter!
Mit wahrer Sehnsucht hatten wir schon lange Zeit auf Nachrichten von Ihnen gehofft als uns endlich die Freude zu Theil wurde Ihr Schreiben vom 26ten [roman:] Februar [/roman] d. J. am 4ten. [roman:] Mai [/roman] zu erhalten. Sie sprechen darin die Vermuthung aus, als hätten auch wir Sie vergessen — [underline:] dieser Vorwurf trifft uns gewiß nicht mit Recht [/underline]. Längst würden wir Ihnen geschrieben haben, wenn wir erfahren hätten — wie Sie voraus setzen —, daß unsere Briefe, welche He. [roman:] Meyer [/roman] zur gütigen Besorgung übernahm, verunglückt wären, was wir aber [underline:] nicht [/underline] durch He. [roman:] Ferrari [/roman], sondern erst durch Ihr jetziges Schreiben zu unserer Kenntniß gekommen ist. Hiernach werden Sie uns gewiss entschuldigt finden. — Vorerst werde ich nun [insertion:] auf [/insertion] den wesentlichen Inhalt des verunglückten Schreibens vom 19. Oktober 18 48 zurückgehen müßen. / N. b. / Ich theilte Ihnen darin die abermalige glückliche Entbindung meiner guten Clothild von einem Töchtherchen mit; die kleine Therese ist nun bald zwei Jahre alt und macht uns große Freude. — Ferner machte ich Ihnen Anzeige von der am 2t. Oktober 1845 stattgehabten ehelichen Verbindung meiner guten Schwester [roman:] Caroline [/roman] mit dem Lehrer [roman:] Wolfram [/roman] in Oberkaufungen und leider - leider - muß ich jetzt schon die Anzeige ihres Dahinscheidens hiermit verbinden —; sie starb am [illegible] [roman:] Mai [/roman] d. J. am 9ten Tage nach ihrer schweren Entbindung von einer alsbald bei der Geburt verschiedenen Tochter. Unsern herben Schmerz über diesen unersetzlichen Verlust will ich nicht beschreiben. Meine arme Mutter u. Schwester, die ohnedem stets leidend sind, werden lange Zeit bedürfen, um sich von diesem harten Schlage des Schicksaals zu erholen. — Über die Hofkämmerrath Schröder'sche Erbschaftsangelegenheit mache ich Ihnen folgende Mittheilung: Alsbald nach Empfang der mir mit Schreiben vom 30t Juli 1847. ertheilten Vollmacht habe ich mich nach Paderborn begeben u. mir auf dem Oberlandesgericht und die neuesten der betragenden Acten vorlegen laßen; nach diesen ist die Verwaltung des fragln. Vermögens von Zeit zu Zeit an andere Administratoren übergegangen und dermalen in den Händen des Justizraths Rosenkranz u. des Kanzlisten Mündel zu Paderborn — welche beide seit 1844 keine Rechnung abgelegt haben. Untern 17. Dezbr. 1842 hat das Land- und Stadtgericht derselbst die Regulierung der Erbvertheilung des Nachlasses des Hofkammerraths Schröder bei dem Oberlandesgericht beantragt und diese durch die betheiligten Erben und gewissenlose gewinnsüchtigen Advokaten so sehr verschleppte u. verwirkte Sache dafür abgegeben. Das Oberlandesgericht hat eine Darstellung über den zu vertheilenden Nachlaß anfertigen laßen, wonach das [underline:] Actien [/underline] vermögen durch die niederträchtige betrügerische Verwaltung bis auf ca. 9000 Thaler zusammengeschmolzen ist. Unter den Zurechnungen welche in jener Darstellung der verschiedenen Erben gemacht werden, sind dem verst. Schwiegervater für Inventarien p. 4870 Thaler, verzinslich von 1821 mit 2½ respe 5% — zugerechnet u. würde es Ihnen, nach einer Mittheilung des Justizraths Rosenkranz aus der Masse [underline 2*:] nichts [/underline 2*] mehr ertragen. Seit dem Herbst 1847. ist in der Sache fast nichts geschehen — obgleich ich solche von Zeit zu Zeit in Erinnerung gebracht habe. Neuerdings ist nun dieselbe wieder an ein anderes — das Königliche Kreisgericht abgegeben worden; doch auch dieses scheint solche im Schweben erhalten zu wollen. — [roman:] Derenthal [/roman] der uns vor einiger Zeit besuchte, ist ebenwohl
der
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der Ansicht, daß für [underline:] Sie [/underline] kein vortheilhaftes Resultat aus dieser nobeln Sache zu erwarten und es [underline:] nicht [/underline] räthlich sei, noch mehr Kosten daran zu hängen. Die Erben des [roman:] [underline:] Kaufmanns [/underline] [/roman] Schröder nehmen — wie man nur sagt,- den Rest des Vermögens in Anspruch u. werden sich wohl am Ende mit dem Gericht u. dem Advokaten darin theilen. Uebrigens werde ich die Sache dennoch nicht außer Acht lassen. — Nun zu etwas Anderem! Unser Plan der Uebersiedelung nach [roman:] Osage Counti [/roman] wird, wenn es sich um die Zuführung neuer Arbeitskräfte handelt, [underline:] für den Augenblick [/underline] freilich etwas gewagt sein, denn obschon ich nicht schwächlich bin, so hat doch der Schreibtisch meine besten Kräfte verzehrt, auch Clothilde würde für schwere Arbeiten nicht mehr stark genug sein; aber [underline:] so Gott es will [/underline], sollen Sie gute Frau Mutter u. Vater Classen bald in unserm Hermann einen kräftigen Gefährten erblicken; der Junge ist nun seit Pfingsten d. J. in der Hofkieferei u. Weinkellerei, um Fäßer für ihre Weine machen — und Weine behandeln zu lernen. Er ist ein gesunder Junge, von kräftiger Körperconstitution, besitzt ein gutes Fassungsvermögen u. ein passables Aeußeres, hat eine gründliche Schulbildung genossen und wird [underline:] hoffentlich [/underline] zu einem tüchtigen Geschäftsmann herausgebildet werden. Erhält uns Gott zusammen gesund, so werden Sie Hermann schon im Herbst 1852 oder spätestens im Frühjahr 1853. bei sich erwarten können. Geben Sie mir doch gütigst Nachricht darüber, ob es vortheilhaft ist, daß er vor seinem Abgang von hier, auch die Bierbrauerei erlernt, oder, ob es räthlicher erscheint, wenn er sich bei einem tüchtigen Schreiner, mit den Arbeiten eines [underline:] Bau [/underline] schreiners / ein Anfertigen von Thüren, Fenster p. p. / noch auszubilden sucht; oder, ob das [underline:] Kiefergeschäft allein [/underline] genügt und es besser ist, [underline:] wenn er nach seiner Ausbildung darin sofort [/underline] zu Ihnen kommt. Der Junge hat große Lust nach Amerika zu gehen und freut sich schon jetzt, seinen Großeltern demnächst unter die Arme greifen zu können -, bleibt er gut, so werden Sie einen — wenn auch nicht vollständigen — Ersatz für Ihren verlorenen braven Hermann in ihm finden. Die französische Sprache soll [roman:] Hermann [/roman] fort üben und im letzten Jahre vor seinem Abgang englisch lernen, dann wird er sich dort wohl genügend helfen können. — Sodann wollen Sie mir gütigst Auskunft geben, ob es räthlich ist, daß er — soweit er thunlich — [underline:] sämmtliches Kieferhandwerkzeug [/underline] mit dort hinbringt? — Unser 2t. Sohn Wilhelm — welcher [underline:] nächste [/underline] Pfingsten konfirmirt wird —, hat sich ebenwohl für Amerika bestimmt und würde es mir recht lieb sein, wenn Sie uns in Ihrem [underline:] nächsten [/underline] Schreiben Nachricht geben, welches Geschäft ihn wohl für dort zu ergreifen, anzurathen sein möchte, der Junge ist gleich seinem älteren Bruder gesund u. stark, so daß ich glaube, daß er selbst ein schweres Handwerk, als das des Zimmermanns oder Schmieds erlernen kann. Er hat große Lust zur Oekonomie — wozu ich ihn auch recht geeignet halte, doch weiß ich nicht ob ihm die Oekonomie die er hier lernt, dort viel nützen kann — auch hierüber darf ich wohl Ihren gütigen Rath entgegensehen. — Ich würde es dann möglich zu machen suchen, daß denn beide,
[roman:] Hermann [/roman]
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[roman:] Hermann [/roman] und Wilhelm [underline:] zusammen im Frühjahr 1853 [/underline] von hier abreisten. Die Reiseroute, sonstige Verhaltungsmaßregeln u. guten Rath würden Sie uns dann zeitig vorher gütigst ertheilen. Wir reden schon jetzt oft davon, und freuen uns im Geiste, wenn wir uns die beiden Jungen, kräftig, gesund und unverdorben, mit den nöthigen Kenntnissen ausgerüstet, bei Ihnen denken —. Geht dann Alles gut und bleiben wir noch eine kleine Reihe von Jahren gesund, dann hoffe w. wünsche ich doch sehnlichst mit meiner guten Clothilde und unseren übrigen Kindern — die uns Gott erhalten möge — mich bei Ihnen niederzulassen und Ihnen und Vater Classen den Abend des Lebens nach Kräften zu erheitern; in unseren Kindern werden Arbeitskräfte heranwachsen und so könnten wir dann wohl zufrieden und glücklich noch manches Jahr verleben. Mancher Plan im Leben ist mir zu Grabe gegangen, möchte doch diesmal das Schicksal wollen, daß ich keine Luftschlößer baue! — Das arme zerrißene Deutschland bietet für die Zukunft gewiß nur traurige Aussichten u. wird, wer es kann sicher wohlthun dasselbe so bald als möglich zu verlassen. — Unsere finanziellen Verhältnisse sind fortwährend gut, wir haben unser Auskommen so, daß wir unsere Kinder können ausbilden lassen u. auch wohl noch etwas erübrigen. Ich schließe für dieses mal unter den herzlichsten Grüßen an Sie und Vater Classen, welchem ich für sein gichtisches Leiden eine baldige dauerhafte Besserung von Herzen wünsche und füge noch die freundliche w. recht dringende Bitte hierbei, daß Sie uns [underline:] recht bald [/underline] u. [underline:] jedenfalls noch in diesem Jahre [/underline] wieder schreiben, was Sie auch gewiß thun werden, wenn Sie erwägen, daß es für uns die größte Freude ist, wenn wir Briefe von Ihnen erhalten. Der Allgütige erhalte Sie und Vater Classen gesund u. laße es Ihnen so wohlergehen wie er so recht herzlich wünscht.
Ihr aufrichtig ergebener Sohn H. Carl F. Credè!
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Cassel d 7. August 1850.
Liebe Mutter und Vather!
Jetzt erst kann ich dazu kommen Dir meiner lieben einige Worte zu schreiben uns. 6 Kinder machen mir wircklich viel zu schaffen u es bleibt mir nur wenig Zeit übrig doch thuhe ich alles gern den es sind recht liebe Kinder. Heute ist der Geburtstach meines liebe Mannes er wird 39 Jahr alt nächsten Donnerstach werden wir nach Lorberbach Reisen um den Oberförster Harnickel ein Onkel von Carl den Du schon hier hattest kennen lernen einen klein Sohn aus der Taufe zu heben, Ich werde dann da ich in der nähe Lorbet bin auch Onkel Derenthal besuchen er lebt seit dem Thot seiner armen blinden Frau wieder ganz auf
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Er ist so munter das ich mich recht über Ihn gefreut habe er hatt sein Gut Körbecke am August Versen verpachtet u lebt nun seinen vergnügen er hat uns schon zweimal besucht. er soll wie mir versichert worden ist ein Vermögen von 100000. Tal haben ob es wg wahr ist? auch hatte [insertion:] er [/insertion] es ist mir gesacht im Testament gemacht wonach ein Jeder der Verwanten etwaß bekäme. Seine phleg Kinder hatt er eine bald alle versorgt. Herman Versen ist verheirate u wohn in Kloster Marienmünster. Pauliene hat Joseph Sarrazin in Leuthausen zum Mann Albrecht sein Pate ist auch verheiratet u wohnt in O.s Preußen, Luise ist Braud mit dem jungen Brünete aus Bredenborn Fernande ist Braud mit den Jug Tiller aus Borgentreig nun ist mir Mari die jüngste Tochter meiner unvergeßlich Onkel Bernarts noch übrig es geht allen recht gut auch Berta Schröde ist im vorige Mon verheirate mit einen Oberatministrator Berner ein tüchtiger Oekenomeie leiblich von Onkel Derenthal, daß die Großmutter in Oldenburg thot ist wirst Du schon wissen Tante Hilker hat mich im vorig Jahre besucht sie hat 9 Kinder es soll Hilker nicht gut gehen weil sie keine Haushälter sind, auch von meinem gute Onkel Carl habe ich gehör es ging nicht gut er ist nähmlich vom Pferde geschlagen u. ess ist so bößartig geworden das er in Paderborn im Barmherzigeschwester Kloster ist u wenig Hofnung hat vo O. Herman hörte ich er seie außerordentlich dick geworden, man könne Ihn hier [?] geld sehen [/?] laßen es geht ihm sohnst recht gut er soll sehr munter sein jetz muß ich schließen die Kinder kommen aus der Schule lebe wohl meine gute liebe Mutter denke recht oft mit liebe Deinen Dich liebenden Tochter mit ihrem Manne und Kindern grüße in mir meinen lieben Vather herzlich von Dein Dich liebende Tochter
Clothilde Crede
P. S. Liebe herzliche Grüße [roman:] [underline:] von Mutter [/underline] [/roman] u. Schwester Louise / sowie von allen unseren Kindern! Sollte die Adresse meines Briefes nicht vollständig sein, so bitte ich um Mittheilung einer solchen. Ein nochmaliges [roman:] [underline:] herzliches [/underline] [/roman] Lebewohl!
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