Collection: Crede Family Papers
Author: Clothilde Schröder (Crede)
Recipient: Margarete Versen (Schröder Classen)
Description: Letter from Clothilde Crede to her mother, Margarete Classen, April 15, 1853. In this letter, she notifies her mother that her two sons, Hermann and Wilhelm, are on their way to immigrate to the United States, traveling via Bremen to New Orleans and from there to Missouri.
Original text
[underline:] Kassel, am 15ten. April 1853. [/underline]
Geliebte Eltern!
Wir versäumen nicht, Sie davon zu benachrichtigen, daß unsere Söhne [roman:] Hermann [/roman] und [roman:] Wilhelm [/roman] nunmehr auf der Reise zu Ihnen begriffen sind. Sie gingen am 28te. v. M. von hier nach [roman:] Hamburg [/roman] ab, haben jedoch daselbst bis zum 6t. [underline:] d. [/underline] M. noch dort verweilen müssen, an diesem Tage sind sie mit Dampfschiff bis [roman:] State[1] [/roman] gefahren, wo sie das Bremer Schiff [roman:] "Johann Smit [/roman] / Kapitain [roman:] Wark [/roman] / zu ihrer Weiterreise nach [roman:] New Orleans [/roman] aufgenomen hat und am 8tn. d. M. in See gegangen ist.
Der Himmel gebe den Jungen nun eine glückliche Ueberfahrt und führe sie gesund, kräftig und unverdorben — wie sie hier abgingen —, in Ihre Arme, was unser tägliches inbrünstiges Gebet ist. —
Wir hoffen und wünschen recht herzlich, daß sie sich in ihrer neuen Heimath glücklich fühlen werden und gewiß Alles aufbieten sich die Liebe ihrer guten Großeltern zu erwerben. — Es leidetet nicht wohl, wenn Eltern ihre Kinder loben, allein wir dürfen sagen, die Jungen sind brav und gut, sie haben sich bis dahin nie leichtsinnige oder gar schlechte Handlungen zu Schulden kommen lassen und haben ein warmes Gefühl für Recht —.
Freilich bedürfen sie bei ihrer großen Jugend und ihrer Unerfahrenheit noch der Leitung von erfahrenen braven Leuten, um stets den rechten Weg zu halten. Wem können wir sie wohl besser anvertrauen, als ihren guten Großeltern, denen sie ja mit ihren Eltern am nächsten auf der Welt stehen. — Möge der Himmel Sie und Vater noch recht lange erhalten und namentlich letzterem seine Gesundheit wieder schenken, dann hegen wir die frohe Hoffnung, daß wir bald vereint noch frohe Tage zusammen verleben werden. — Wir denken, wenn unser [roman:] Carl [/roman], der nächste Pfingsten konfirmirt wird, erst ein Geschäft erlernt hat,
/ wahr,
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/wahrscheinlich das eines Büchsenmachers — oder ein anderes, was Sie für räthlicher halten / und dann die kleinen Mädchen an Geist und Körper mehr erstarkt sind, unser Vorhaben der Uebersiedelung auszuführen. — Nur muß ich suchen, daß ich dann mit Pension aus dem Hofdienst scheiden kann, denn die bedeutende Reise mit großer Familie wird unsere geringen Mittel so sehr erschöpfen, daß wir nichts [underline] Erhebliches [/underline] übrig behalten werden —. Meine Besoldung von 400rt: reicht zur Erhaltung der Familie und Ausbildung der Kinder nicht hin und da ich durch die neue Staatsausrichtung meine Nebenstellen verloren habe, so sind wir genöthigt, von unserem geringen Vermögen zuzusetzen. Die Aussichten zur dienstlichen Verbesserung sind unter den jetzigen Verhältnissen gänzlich verschwunden. — Unsere Söhne werden Ihnen sofort nach ihrer Ankunft in [roman] New-Orleans [/roman] Nachricht geben und werden Sie dieselben sehr erfreuen, wenn Sie geliebte Eltern Jemanden in [roman] Jeffeson [/roman], oder wo sie landen / was uns nicht bekannt ist / zu ihrer Empfangnahme beauftragen könnten. — Unsere kleine [roman] Adelheit [/roman], die gestern 2 Jahre alt geworden ist, vermißt die Jungen sehr; sie ruft fast jeden Morgen beim Erwachen [roman:] Hette — Wille [/roman], auch die kleine Therese denkt ihrer oft, sie sagte kürzlich, ich möchte gern für die Jungen beten, daß sie glücklich nach [roman:] America [/roman] kommen, allein wenn ich für sie beten will, dann muß ich weinen und kann dann nicht beten—! Gewiß alles mögliche von einem Kind von noch nicht 5 Jahren!
In [roman:] Kaufungen [/roman] geht es fortwährend sehr traurig, meine arme Mutter ist seit längerer Zeit wieder so sehr leidend, daß ihre Auflösung, die sie jeden Tag von Gott erbittet, nicht mehr fern sein wird; auch Louise ist stets kränklich und elend —. Von hier kann ich nichts Erhebliches schreiben, die Jungen mögen Ihnen mündlich recht viel mittheilen. Wir sind Gott lob alle wohl auf und grüßen Sie und Vater auf das herzlichste. Leben Sie recht wohl und geben nur alsbald nach der Ankunft unserer lieben Kinder Nachricht, worum herzlich bitten
Ihre
Sie liebenden Kinder
Clothilde Credé. HCCredé
[envelope:]
[roman:]
[underline:] Via per New-York — St. Louis & Jefferson [/underline]
[underline:] Misstress G. Klasen [/underline], native [?] Orsen [/?]
[underline:] Westphalien Settlement Osage Coùnty
State of Missouri, united states of North America. [/underline]
[underline:] [?] Jranor [/?] — Hamburg. [/underline]
[/roman]
Anmerkungen
- ^ "State" = "Stade"
Letter metadata



