Collection: Crede Family Papers
Author:
Recipient:
Description: Letter from Heinrich Carl Crede and Clothilde Crede to their sons Hermann and Wilhelm Crede, August 10, 1854. The first part of the letter is written by Heinrich Carl Crede; the second part (beginning on page 7) by Clothilde Crede.
Original text
[underline] [roman:] Cassel [/roman], am [roman:] 10ten August 1854 [/roman]. [/underline]
Meine lieben Söhne!
Unsere Freude über Euer Schreiben vom [roman:] 26t. Mai [/roman] d. J. / - eing. 24. Juni c - / war um so größer, da wir daraus erfahren, daß Ihr Euch wieder einer guten Gesundheit erfreut und auch Eure lieben Großeltern sich wohl befinden. _ Recht viel Sorge haben wir um Euretwillen gehabt, da wir seit Eurem Schreiben vom 27/12. 53. / - einge: d. [roman:] 2 Febr. [/roman] d. J. / mithin 5 Monate ohne Nachricht von Euch geblieben waren; was nun, wie ich aus Wilhelms Briefe vom 4. Juni / einge. d [roman:] 8 Juli [/roman] c./ ersehe, seinen Grund darin hat, daß Euch unser Schreiben vom [roman:] 14. Febr [/roman]: d. J. erst am 1t. Juni zu Händen gekommem ist. _ Einen [underline:] 3ten [/underline] Brief, den Ihr in Eurem Schreiben vom [roman:] 26t. Mai c. [/roman] erwähnt, haben wir nicht erhalten. Wir erhielten: [underline:] 1, [/underline] Brief vom 29. Juni und [insertion:] 2., [/insertion] 27: Dezbr. 53 - [underline:]3. [/underline], vom 26. Mai u. [underline:] 4. [/underline] Juni 1854. _ Es ist sehr zu beklagen, daß Briefe, die oft so sehnsuchtsvoll erwartet werden, zuweilen das Unglück haben, so lange liegen zu bleiben. Wie ich Euch schon früher mittheilte, schreibt ohne [underline] Rücksicht [/underline], ob Ihr Antwort auf an uns abgesandte Briefe erhaltet oder nicht, [underline] regelmäßig alle 3 Monate [/underline], denn es ist, so lange uns das Schicksal noch durch so weite Entfernung trennt, unsere größte Freude, von Euch Allen etwas zu hören._ Ihr wünscht unsere Uebersiedelung nach dort schon im nächsten Herbst — spätestens künftiges Frühjahr ausgeführt zu sehen. So sehr wir alle dieses mit Euch wünschen, so wird dennoch solche nach Umständen [underline] in nächster Zeit [/underline] vielleicht noch nicht geschehen können, da ich Eure gute Großmutter in [roman:] Kauffungen [/roman], die fortwährend so äußerst leidend und elend ist, so lange ihr kummervolles u. schmerzenreiches Dasein noch währt, nicht verlassen darf, da sie in mir ihre einzige Stütze erblickt und mich die Dankbarkeit u. Liebe welche ich für sie hege u. die ich ihr als Sohn schuldig bin an sie fesselt, so lange sie lebt. Leider ist ihr Zustand so traurig, daß es unbegreiflich ist, wie sie ihr Dasein noch fristet und es sündhaft wäre, unter diesen Umständen
[page 2:]
ihrem Leben noch eine lange Dauer zu wünschen._ Alle angewandten Arzneimittel haben nichts gefruchtet u. braucht sie nun seit längerer Zeit auch keinen Arzt mehr da die Aerzte selbst erklären, daß sie bei ihrem Leiden nicht zu helfen vermächten._ Nach Ihrem Ableben wird hoffentlich kein Hinderniß unserer Uebersiedelung, die wir ja alle sehnlich wünschen entgegentreten. Will Tante [roman:] Louise [/roman] dann mit uns reisen, so ist es gut_ wo nicht, so hat sie so viel, daß sie hier leben kann ohne Jemanden zur Last zu fallen._ Was unsere eigenen Existenzmittel für die Zukunft betrifft — wenn ich aus meinen hiesigen Verhältnissen geschieden sein werde —, so ist leider nicht zu hoffen, daß ich solche, so lange wir noch hier sind, zu vermehren im Stande sein werde. — Die Opfer welche ich seither in manigfacher Art zu bringen genöthigt war, nicht unbedeutend gewesen —, wie Euch zum Theil selbst bekannt ist._ Unsere Reise nach dort, wird auch noch viel Geld kosten und wird uns dann [underline] nach allem diesem [/underline] ein nicht bedeutendes Kapital / etwa 1,500rt :/ übrig bleiben, welches nicht wohl anreichen kann, wenn wir allein auf uns selbst hingewiesen sein würden und nicht an Euren guten Großeltern und Euch selbst eine kräftige Stütze hoffen dürften._ Ferner ist wohl reiflich zu erwägen, ob Ihr Euch nicht insgesammt durch unsere Uebersiedelung — da unsere Arbeitskräfte augenblicklich gering sind —, eine Last aufbürtet, die Euch zu tragen vielleicht schwer werden möchte und namentlich Eurer künftigen Existenz — die Ihr nicht außer Augen lassen dürft —, hindernd in den Weg treten könnte. So sehr wir uns alle nach Euch sehnen und es unser herzlichster Wunsch ist, bald mit Euch Allen vereint zu leben — so wenig ich daran zweifle, daß wir uns dort glücklich fühlen werden, so ernst und entscheidend für unser ganzes Leben ist dennoch der wichtige Schritt einer Uebersiedelung und werdet Ihr selbst ermessen, daß mir solcher nicht zu vergeben wäre, wenn nicht die Gewissheit vorläge, daß, indem ich eine Existenz hier
[page 3:]
hier aufgebe, meine dortige hinlänglich begründet erscheine. _ Meine lieben Söhne_ erwägt alle diese Verhältnisse recht reiflich mit Euren guten Großeltern und schreibt mir dann umständlich hierüber_. Was Euren Bruder [roman:] Carl [/roman] anlangt, so wäre er schon jetzt sehr gern zu Euch gekommen -, allein er ist noch zu sehr Junge, weshalb ich es für besser halte, wenn er erst noch hier an Geist u. Körper stärker wird._ Meine Bemühungen ihn auf einer Oeconomie unterzubringen, hätten wohl Erfolg gehabt, wenn ich 200rt: hätte anwenden wollen _ was mir aber zu viel war._ An Onkel [roman:] Derenthal [/roman] habe ich mich erfolglos gewendet —, derselbe hat sein Gut in [roman:] Cörbecke [/roman] seit diesem Frühjahr an [roman:] Hermann Versen [/roman] übergeben, ist aber bei demselben wohnen geblieben. — [roman:] Carl [/roman] treibt nun seit seiner Confirmation hauptsächlich Englisch und steht zu erwarten, daß er es bis zum nächsten Frühjahr so weit darin gebracht hat, um sich dort helfen zu können und hoffe ich, daß er dann Anfangs [roman:] März [/roman] k. J. nach dort abgehen kann. Was er dann dort am besten beginnen wird, muß ich Euch dann überlassen, wenn er gesund bleibt, so wird er so kräftig werden, daß er sowohl zum Farmer, als zu jedem anderen Geschäft tauglich ist. — Wie ich aus Euren Briefen ersehe, fehlt es Euch nicht an Arbeit, was auch recht gut ist— , denn was ist das Leben ohne Arbeit? Ihr werdet Euch nun hoffentlich acclimatisirt haben und wird Euch die Arbeit Freude machen, wenn Ihr seht, daß solche mit gutem Erfolg gelohnt wird. Außerdem wird Euch auch das Vergnügen der unbeschränkten Jagd u. Fischerei zu Theil, was in meinen Augen das herrlichste ist, was Ihr haben könnt—, nur kann ich Euch nicht genug Vorsicht empfehlen. Du schreibst mir lieber [roman:] Hermann [/roman], daß Ihr des Sonntags oft auf die Jagd geht—, ich gönne Euch dieses Vergnügen von ganzem Herzen jedoch darf ich von Euch auch erwarten, daß Ihr auch nicht unterlaßt, Euch in religöser Beziehung zu erbauen—, denn die Religion ist unzweifelhaft im Glück u. Unglück des Menschen größte Stütze und wohl dem Menschen, der dieses in seinem Innern recht warm und überzeugend fühlt —. Daß die Jagd bei Euch noch recht gut ist,
[page 4:]
freut mich sehr —, wie werde ich mich aber freuen, wenn ich — so Gott will, vielleicht bald_ gemeinschaftlich mit Euch jagen kann. Im Geiste bin ich oft bei Euch und durchwandere Feld und Wald der in meiner Fantasie mir lebhaft vor Augen stehenden Colonie. — Für eine gute Doppelflinte werde ich sorgen, auch Knickfänger[1], Pulverhörner, Zündhütchen und was Ihr etwa sonst wünschenswerth, haltet mitbringen. Meinen Brief vom [roman:] 22t Febr: c [/roman], welchen ich [roman:] Bernhard's [/roman] Kindern bis [roman:] St. Louis [/roman] mitgab und womit ich Euch Zündhütchen p schicke, werdet Ihr nun auch wohl erhalten haben. Schreibt mir, ob die Zündhütchen auf Eure Gewehre genau passen und was das 1,000. dort kostet. — Für Eure hiermächtige Unterhaltung in freien Abendstunden, bin ich gegenwärtig besorgt, ich habe nemlich auch eine neue Ausgabe der deutschen Classiker subscribirt u. bereits 90 Bändchen erhalten, was bis zum Frühjahr complett ist, wird Carl dann mit nach dort bringen. Es gibt dieses eine schöne Bibliothek, welche aus folgenden Werken besteht: [roman:] Schiller, Wieland, Goethe, Klopstock, Thümmel, Platen u. Lessing [/roman]. Ich hoffe Euch hiermit eine Freude zu machen und werden Euch diese Bücher nicht nur eine angenehme Unterhaltung gewähren, sondern auch zur Bildung Eures Geistes — die Ihr in Eurer Einsamkeit nicht bei Seite setzen dürft, vielen Stoff bieten. — Daß die mitgenommenen Sämereien meistens verdorben sind, bedaure ich sehr, es muß dieses seinen Grund in der Feuchtigkeit auf der See haben, da mir Hofgärtner [roman:] Lipsius [/roman] versicherte, daß es nur guter Saamen gewesen sei. — Schreibt mir genau, was Ihr für Sämereien wünscht, dann kann [roman:] Carl [/roman] solche mitbringen u. werde ich sie in eine Blechkapsel verpacken u. solche gut verlöthen lassen, dann hoffe ich soll nichts dem Verderben ausgesetzt sein. — Ich hatte Euch um Auskunft über Eure Nachbarschaften auf der Colonie p. der Indianer p.p. gebeten; da Ihr solches übersehen, so schreibt das nächste mal hierüber — . Es ist mir recht erfreulich, daß Eure guten Großeltern ihren Farm hiernächst durch Ankauf vergrößern werden und wünsche wir sehr Euch demnächst bei der Bestellung thätige Hülfe leisten zu können. — Eure Geschwister, welche Euch in liebevollem Andenken haben, wachsen froh heran, Ihr solltet nur mal die kleine [roman:] Adelheid [/roman] sehen, was das für ein kräftiges Kind ist_ und [roman:] Therese [/roman] in seiner unerschöpflichen Beredsamkeit hören. [roman:] Angeline [/roman] u. [roman:] Minchen [/roman] sind groß geworden, nur leidet erstere noch öfter an ihrem bösen Kopfweh_. Der Arzt macht uns Hoffnung, daß sich dieses Uebel mit den Jahren geben soll._ [roman:] Carl [/roman] ist groß u. kräftig geworden und sehnt sich so sehr nach dort, daß er gestern bittere Thränen weinte, weil er noch bis zum Frühjahr hier bleiben soll._ Aus Eurer früheren Kameradschaft ist Euch schon mancher nach dort gefolgt,
[page 5:]
namentlich: [roman:] 2 Pimper - 2 Kraft, Wiederhold, Lauderbach — Bolne pp [/roman] auch Bernhard Witzel hat die Hofkieferei im Stich gelassen und ist nach [roman:] Californien [/roman] gegangen_. Die beiden [roman:] Bavioir [/roman] werden, im nächsten Frühjahr abgehen._ Dein alter Meister lieber [roman:] Hermann [/roman] hat nach Deinem Abgang die Hofkieferei nicht wieder betreten, er war kränklich u. hat sich pensioniren lassen. Er erkundigt sich manchmal nach Euch u. denkt Deiner mit vieler Anfänglichkeit. [roman:] Zimmermann [/roman] ist zum provis. Hofkiefermeister ernannt. Mstr. [roman:] Cunth [/roman] ist wohl auf u. hat viel Arbeit durch die gegenwärtige Sucht neue Laden anzulegen._ Die bisher bestandene [underline] enorme [/underline] Theurung hat wegen der gegenwärtigen [underline:] vorzüglichen [/underline] GetreideErnte etwas nachgelassen_ auch die Kartoffeln, obschon wieder krank, liefern einen besseren Ertrag als in den letzten Jahren. Das Korn ist bald eingeerntet._ Der Waitzen ist von 13 ½ rt. p. Vrtl. auf 9 rt u. das Korn von 11 rt. auf 6 rt. veh. herunter gegangen. Die Kartoffeln kosteten die Metze 10 Sg. u. jetzt 4 Sg. — nur die sehr hohen Fleischpreise sind noch geblieben, werden sich aber hoffentlich _ bei den guten Aussichten auch bald ermäßigen. _ Man glaubt, daß im nächsten Monat das Vrtl. Waizen zu 6 rt. u. Korn zu 4½ rt. gekauft werden_. Die [underline] großen [/underline] Oekonomen haben hier seit lange glückliche Zeiten gehabt. — Es ist ein großes Glück, daß wir eine so günstige Ernte zu erwarten haben_, denn die Noth war u. ist noch schrecklich. Der Mittelstand ist hier beinahe verschwunden u. es wird bald wie in England auch hier nur Reiche u. Arme geben. Trauriges Geschick für einen Staat! Der Krieg im Orient mag auch etwas zu unserer großen Theurung _ die nur erkünstelt war _ beigetragen haben -, ist derselbe bei Euch bis jetzt ohne Einfluss geblieben? Man spricht jetzt von einer Mobilmachung der Kurf. Armee. [roman:] Henri Harnickell [/roman] ist seit einigen Monaten glücklicher Fähnrich u. wird in der Kürze Offzier werden-, Kommts zum allgemeinen Krieg, so steht ihm die Carriere zum Feldmarschall offen. [roman:] H. Rhein [/roman] [insertion:] in Posen [/insertion] ist ebenso glücklich gewesen u. lebt derselben Hoffnung. —
Lieber Wilhelm! Dein Brief vom [roman:] 4. Juni c. [/roman] hat uns den Beweis gegeben, daß Du doch das Schreiben noch nicht verlernt hast. Wir haben uns recht gefreut, auch von Deiner Hand einmal etwas zu sehen—, wenn Du auch ungern schreibst, so wirst Du doch wohl thun, wenn Du zuweilen nach der Feder greifst, um nicht ganz außer Uebung zu kommen. — Wie sieht es denn mit dem Englischsprechen u. Schreiben aus? In [roman:] Westphalien [/roman] wird wohl nur deutsch gesprochen? Besucht Ihr [roman:] Madame Huber [/roman] noch zuweilen? / Herzliche Grüße derselben und was habt Ihr sonst Bekanntschaften u. geselligen Umgang? Wie stehts mit den Kieferei u. Schreinerei — Ihr werdet Euch doch in Uebung erhalten? Es ist gewiß recht gut, daß Ihr diese Geschäfte erlernt habt u. wie ich aus [roman:] Hermanns [/roman] Brief ersehe, so gewähren sie Euch auch vielfach Nutzen u. sicher wird es Euch eine rechte Freude sein, wenn Ihr Euch bei kleinen Baureparaturen, Einfriedigungen pp selbst helfen könnt. — Schreibt mir doch wie der
[page 6:]
der intendirte Bau der Küche und Werkstatt ausgefallen ist. — Ich bedaure, daß nicht einer von Euch vor seinem Abgang 1 Jahr zu einem Zimmermann gehen konnte, dies wäre gewiß recht vortheilhaft für Euch gewesen. — Euer Plan, im nächsten Winter 12 Ar. Land urbar machen zu wollen, scheint mir etwas großartig —, es dürfen da nicht viele [underline] starke [/underline] Stämme zu fällen sein, sonst wäre dies doch eine große Aufgabe. — Schreibt mir doch etwas über die Beschaffenheit des noch [underline] nicht [/underline] urbaren Bodens / Bestand p / u. über die Art u. Weise der Urbarmachung. — Wie ist der Sommer bei Euch gewesen? Wir hatten hier Mitte [roman:] Juli [/roman] an 12 Tagen eine canibalische Hitze — ich glaube nicht, daß es bei Euch heißer gewesen ist. — Im vergangenen Frühjahr haben auch hier, gleich wie bei Euch die Spätfröste viel geschadet. Die Blüthen sind fast gänzlich erfroren u. giebt es daher fast gar kein Obst, keine Bucheln u. Eicheln. — Was habt Ihr dort für Holzbestände? — Lieber [roman:] Hermann [/roman] Du warnst so sehr nicht zu viel Sachen mit nach dort zu nehmen—, daß es sehr lästig sein muß sich mit vielen Kisten u. Kasten zu beschweren, leuchtet wohl ein, indeß ist doch zu bedenken, daß eine [insertion:] große [/insertion] Familie vielerlei Sachen dort unbedingt nötig hat._ Wir werden doch unsere sämmtlichen Betten / 7 Stück / nebst Bett = u. sonstigem Leinen mitnehmen müssen, dann neben den getragenen Kleidungsstücken auch wohl für jedes ein paar [underline] neue [/underline] Anzüge u. ein Vorrath an Stiefeln u. Schuhe? Ist an Glas, Porzellan u. degl. nichts nötig? _ Möbel sind natürlich nicht rätlich zu transportiren _ allein die Pferdehaare aus den Sophar könnten wir wohl mitbringen_. Bei dem Verkauf unserer Sachen werden wir viel Schaden leiden, weil gebrauchte Mobilien so zu sagen hier verschleudert werden_. Außerdem würden wir nach Deinem Rath die Kisten nicht so schwer nur alle von gleicher Größe machen lassen. Können wir Sachen mitbringen, die dort mit Vortheil wieder abzusetzen sind, so schreibt darüber. — Der Transport über See wird uns nicht viel Kosten machen, da jede Person 20 c frei hat. — Am beschwerlichsten werden jedenfalls die Kisten mit Victualien, Kleider u. Wäsche p. sein, welche man genöthigt ist auf dem Schiff in unmittelbarer Nähe zu haben und es wird doch namentlich der Kinder wegen dringend nötig sein, daß man sich mit nicht zu geringen Spritvorräthen p. p. versieht, auch werden wir wohl Betten für die Kinder auf dem Schiff nötig haben, da denselben die blose Strohmatratzen mit wollener Decke nicht genügen möchte!? — Ueber alles dieses, so wie über die zu nehmende ReiseRoute von [roman:] St. Louis [/roman] aus, sowie was sonst zu beachten — bitte ich recht umständlich zu schreiben. Sollte es nicht zweckmäßig sein, wenn wir ein tüchtiges Dienstmädchen von hier nach dort mitbringen? _ Würden wir Euch in Euren häuslichen Räumlichkeiten _ darunter
[page 7:]
unser viele sind — nicht allzusehr beschränken._ Die Wohnungen dort bestehen wohl durchgängig nur aus dem [roman:] rez de chaussée [/roman] — und das Bauen wird dort auch wohl kostspielig sein, obschon das Holz kein großen Werth haben wird.? _ [roman:] Carl [/roman] wird, wenn er gesund bleibt_ jedenfalls mit den ersten Frühjahrsschiffen k. J. seine Reise antreten u. würde er dann wohl bei einigermaßen günstiger Fahrt gegen Mitte [roman:] Mai [/roman] in [roman:] St. Louis [/roman] eintreffen können. Ich hoffe, daß sich wohl eine Familie finden wird, die ich ihr anvertrauen kann, da er noch zu wenig selbständig ist um die Reise allein machen zu können._ Könnte einer von Euch [roman:] Carl [/roman] [strikethrough:] s [/strikethrough] in [roman:] St. Louis [/roman] abholen, dann müßte er Euch seine Ankunft daselbst alsbald anzeigen — im anderen Fall könnt Ihr ihn wohl eine Addresse geben an die er sich seine Weiterreise wegen wenden kann._ Wie sieht es dort mit dem Schulunterricht für die kleinen Mädchen aus? Wir werden wohl alle Schulbücher mitbringen müssen, damit ich im schlimmsten Falle den Schulmeister selber machen kann._ Könnte ich vor unserem Abgang eine Pension für mich auswirken, so wäre dies erwünscht, jedoch glaube ich nicht, daß dies glücken wird._ Dann werden wir freilich wohl auf Alles hier verzichten müssen_. Nur die WitwenPension für Eure Mutter aus der [underline *2:] Staats [/underline +2]-Witwenkasse würde ich _ für den Fall meines früheren Ablebens _ erhalten können, wenn ich, was wohl angehen kann, hier die Einrichtung treffe, daß die Beiträge zur Kasse für uns fortgezahlt würden. — Schließlich bitte ich Euch nun [underline:] recht dringend [/underline] uns nicht nur [underline:] recht bald [/underline], sondern auch [underline:] recht ausführlich [/underline] über alle meine Anfragen u. dortigen Verhältnisse zu schreiben, wonach wir uns dann weiter entschließen u. Euch dann alsbald Mittheilung machen werden. _Lebt recht wohl u. seid frohen Muthes wie dies von Herzen wünscht Euer tr. Vater Crede.
Den guten Großeltern meine herzlichsten Grüße und besten Wünsche für deren Wohlergehen ./.
[page 7, 2nd author:]
Meine innig geliebte Kinder! Der Vater hatt zwar schon vie geschrieben aber ich muß doch auch etwas von mir sehe lassen. Es ist mir recht leid das wir nicht nächstes Frühjahr mit Carl zu Euch kommen können der Vater ist aber gar zu ängstlich das wir mit unsern wenig Gelde dort leben können, hierin hat er wohl nicht ganz unrecht und dazu ist die Großmutt in Kauffu auch mit unserer Abreise nicht zufrieden wenn
[page 8:]
wier aber noch sollen hier bleiben wie die Großmut lebt so werden wohl noch Jahre vergehen bis ich mein geliebt Mutt u Vater in die Arme schl kann liebe Kinder seid nur recht värträchlich[2] und macht den GroßEltern freude damit sie gern Eltern stelle an Euch vertreten,
Liebe gut Eltern! habt mein liebe Kidner so lieb wie ich sie habe, hälst für Ihr fernes Glück sorgen da ich es nun noch nicht kann, bedenkt das sie auch mein Kinder bleiben ich muß Eilln ein herzlich Gruß u Kuß von
Eurer Euch lie Tocht u Mutt Clothild.
Von Carl u. seinen Geschwistern tausend herz. Grüße! Schreibt recht recht bald. C.
Anmerkungen
Letter metadata








