Collection: Crede Family Papers
Author: Therese Crede (Winhold)
Recipient: Hermann Carl Crede
Description: Letter from Therese “Rosel” Crede Winhold to her brother, Hermann Crede, November 15, 1888.
Original text
[roman:] Cassel [/roman] den 15./11. 1888.
Mein innig geliebter [roman:] Hermann [/roman]!
Deine beiden Briefe haben wir erhalten, & mit Freuden daraus ersehn, daß es Euch Lieben gut geht & vor allen Dingen, daß Ihr gesund & zufrieden seid. — Bei uns geht es jetzt auch Gott Lob ziehmlich gut. Eine recht angst & sorgenvolle Zeit liegt hinter mir, [roman:] Papa [/roman] war wieder sehr krank & hatte ich fast alle Hoffnung aufgegeben, er hatte wieder Leber & Gallen Kolick, in einen sehr hohen Grade, o, [roman:] Hermann [/roman] was ich da alle habe mit durch machen müssen kannst Du Dir nicht denken, [roman:] O. Curt [/roman] war mein einziger Trost, er hielft stets wo er nur kann. — [roman:] Papa [/roman] ist in den drei Jahren bedeutend schwächer geworden, mit seinen Augen geht
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geht es sehr schlecht, er kann oft kaum die Zeitung lesen, & hört auch viel schlechter, geht er zweimal durchs Zimmer so thun ihm seine Beine weh seid drei Wochen mache ich ihm Schwefel-Fußbäder, doch hielft, daß natürlich auch nichts. Ich denke Gott wenn sein Magen in Ordnung ist, dann will ich gern alles andere ertragen. — Heut sind es schon 4 Monate, daß unsere heißgeliebte [roman:] Mama [/roman] nicht mehr bei uns ist, ich bin viel ruhiger geworden & sehe auch ein, daß es ihr sehr wohl ist & sie nun ausruhen kann von ihren fürchterlichen Leiden. — Ach Gott es thut aber doch schrecklich weh eine solche Mutter zu verlieren, ich kann mich doch noch gar nicht reinfinden, wenn ich zu ihren Grabe gehe, dann weine ich mich tüchtig aus, dann werde ich wieder ruhiger. — Das Leben ist sehr schwer meins wenigstens, ich habe nur Sorge
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Sorge & Kummer, an bessere Zeiten denke ich nicht mehr, nur an das Elend was ich noch alle mit durch machen muß & was dann noch alle kommen könnte. — Sei nicht bös mein liebstes Herz, daß ich immer nur klage, aber ich weiß nichts anderes, deshalb schreibe ich Dir auch jetzt so wenig, ich möchte Dein Herz Dir nicht auch noch schwer machen es hielft ja doch alles nichts. Für [roman:] Wilhelms [/roman] Bild herzlichen Dank es ist ein herziger Junge & hat uns viel Freude gemacht, auch [roman:] Carl & Anna [/roman] tausend Dank für das Bild von den kleinen süßen Kerl, könnte ich doch das Orgenal einmal haben. — Ada geht es gut, sie wird ein recht großes Mätzchen & ist auch recht lieb, sie läßt Euch Alle grüßen & will Dir selbst schreiben. — [roman:] Stocks [/roman] sind nach [roman:] Fulda [/roman] gezogen, [roman:] August [/roman] ist
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ist an das dortige Gericht versetzt, es gefällt ihnen sehr gut, sie schreiben mir viel & sind gut & freundlich gegen mich. — Das Wetter ist schon recht winterlich, denke nur sie haben schon Schlittschuh gelaufen. — Die Kartoffeln sind dies Jahr sehr theuer, der Ctr. 4 M. wir haben in unserem kleinen Haushalt für 40 M. gekauft. Die Äpfel kosten die Metze 1 M. 50 P. — [roman:] O. C. [/roman] hat uns ein gut Theil geschenkt. Gemüse brauche ich keins zu kaufen alles fein selbst gezogen, na Du Herzchen würdest Augen machen könntest Du sehn was für eine große Gärtnerin ich geworden bin. — Nun lebe wohl mein liebster [roman:] Hermann [/roman], schreibe mir recht bald wieder, wie es Deiner [roman:] l. Elis. [/roman] & den Kindern geht & wo sie alle sind. Allen tausend Grüße, Dir mein geliebtes Herz tausend Küße, behalte immer lieb Deine Dich herzlich liebende Rösel. [roman:] O. Curt, W. L. [/roman] Tante [roman:] Elsa [/roman] & Tante [roman:] Liesel [/roman] [?] Gaudlach [/?] lassen Euch alle hrzl. grüßen —
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