Collection: Henry Villard Family Letters
Author: Emma Hilgard (von Xylander)
Recipient: Henry Villard
Description: Letter from Emma Hilgard von Xylander to her brother, Henry Villard, February 22, 1869.
Original text
[page 1, right hand side:]
München d. 22/2. 69.
Mein lieber Bruder!
Ausnahmsweise lange, sind wir dieses Mal ohne Nachrichten
von Euch, - u. hoffen täglich, daß die Post uns Kunde von den
fernen Lieben bringen mögte, - doch bis jetzt, - harrten wir vergebens. -
Hoffentlich, - ist es nichts Schlimmes was dieses Schweigen Deinerseits
veranlaßte, - u. trägt vielleicht nur Deine Reise, - die sich mehr in die
Länge zog die Schuld daran. - Dein letzter Brief ist vom 5ten
Januar, du hattest damals noch nicht unsre vor [insertion] den [/insertion] Weihnachtsfeiertagen geschriebenen Briefe, u. Robert's möglichst genaue Zeichnung von Tante's Wohnung. - Seitdem nun hat Dir Tante wieder
geschrieben, - u. Dir [insertion] wohl [/insertion] gesagt, - daß sie recht unwohl war;
einige Tage, sorgte ich mich sehr um sie, - wohl in Folge einer
sich am offenen Fenster geholten Erkältung, - bekam sie
starkes Halsweh u. Fieber, u. mußte 8 Tage zu Bette liegen,
gottlob, half ihr Dktr. Lotzbeck doch bald wieder auf die Beine,
u. sie ist jetzt wieder so wohlauf, u. durch Richard's Besuch
so heiter angeregt, - daß sie in den letzten 8 Tagen, wo
wir hier herrliches Frühlingswetter hatten, - mit uns
u. den 2 Hunden fleißig spaziren gefahren, hat sogar
einen Besuch bei Frida Heintz gemacht. -
Daß ich ihr natürlich sehr viel Zeit widme, - u. sie in ihrem
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Unwohlsein bestens versorgte, brauche ich Dir wohl nicht
zu versichern. - für uns alle, war der am 23ten Januar
doch hier erfolgte Besuch Richard's, - der anfänglich auf
14 Tage festgesetzt war u. dann sich hinaus zog bis heute, wo
er uns verließ, - eine große Freude; er ist so liebenswürdig,
so heiter, - im Hause ein so belebendes Element, - dazu
gegen mich von einer solchen génerosité, daß ich ihn
wirklich nicht anders als von ganzem Herzen lieben
kann, - u. bis die erste Zeit vorüber, - ihn schwer vermissen
werde; er läßt Dir sagen, von Lautern aus, würde er
Euch schreiben in München sei die Zeit dazu zu karg zuge-
messen. - Da Richard gerade noch zum Ende des
Carnevals hierherkam, - wir Alle etwas tanzlustig waren,
so ließen wir uns verführen 2 größere Bälle mit zu
machen, wo wir tüchtig tanzten, - u. über alle Maßen
vergnügt waren. - Im Theater, war ich seit Jahren
nicht so viel, wie in diesen letzten 4 Wochen, - Richard
wollte nie ohne mich hinein gehen, - u. ich nahm seine
Großmuth, da ich sah, wie gerne er sie übte, dankbar an. -
Der ganze Aufenthalt Richards, war durch das köstlichste
Wetter begünstigt, - die Maximilianstraße wimmelte
von Spazirgängern; wir haben Tage, wie sonst im Mai,
seit Wochen weder Regen noch Schnee immer Sonnenschein, -
u. die Bäume u. Sträucher fangen schon mächtig zu
sproßen an, doch ich fürchte das ist sehr verfrüht, - denn
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gewiß, folgt auf den schönen Februar ein um so kälterer
März. - Robert, war in der letzten Woche, 5 Tage in
Dienstgeschäften in Augsburg u. auf dem Lechfelde;
an ersterem Orte, ist seit 14 Tagen Schwager Oscar mit
Familie ansäßig; der alle 3 Jahre Stattfindende Wechsel
im Generalstabe, traf in diesem Jahre, - u. [crossed out] Robert [/crossed out] Oscar
führte das Loos nach Augsburg, - wo sie sich aber gar
nicht behagen, - besonders Auguste, - die noch nie in
einer [insertion] andren [/insertion] Stadt als München lebte. - Unsere Verwandtschaft
hier, ist dadurch etwas zusammengeschmolzen; ich hoffe aber
immer noch auf den angenehmen Zuwachs meines Schwagers
Emil, - dessen Versetzung in den Generalstab, noch immer
in der Schwebe ist, - u. der entweder hierher kommt, oder
seine Eskadron in Augsburg übernimmt. -
Mit meinem Reiten, - will es gar nichts rechtes mehr
werden, - obwohl meine Gesundheit trotz aller Exzessen
so gut ist wie seit Jahren nicht, was also kein Hinderniß
wäre; aber unsere Pferde sind abwechselnd krank,
u. namentlich das kleine, mahnt täglich an seinen
Verkauf zu denken; doch müssen wir damit noch
warten, - bis das andre ganz abgezahlt ist, was erst
im Mai der Fall sein wird; - mir bangt entsetzlich
vor dieser Ausgabe; ein Militair ist ein theures Ding, -
so wenig Einnahme u. so viel äußerer Glanz
wird doch verlangt. - Bei dieser Gelegenheit, nimm
es mir nicht übel lieber Bruder wenn ich Dich bitte,
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uns die so gütig versprochene Zulage zu unsrer
Wohnungsmiethe, uns doch bis gegen den 18ten
April zukommen zu lassen; am 22ten ist das Ziel
u. fällt in diesen schlimmen Monat auch die Steuer-
zahlung, - so daß ein verspätetes Eintreffen Deiner Hülfe
uns große Verlegenheiten bereiten könnte. -
Glaube mir lieber Bruder, - ich bettle nicht gern, - doch
wüßte ich wirklich nicht [insertion] wie [/insertion] fortbestehen ohne Deine gütige
Vorsorge; - möge der Himmel Dir's lohnen; unser theurer
Vater der herabsieht, - wie Du Dich seiner verwöhnten Kinder
annimmst wird Dich segnen. -
Nun Richard fort ist, - wird unser gewohntes Leben,
wieder beginnen, - ich werde wieder meist bei Tante sein,
u. auch wieder meine Bekannten u. Freunde mehr sehen,
die ich in letzter Zeit ziemlich vernachläßigte;
so viel ich aber weiß, ist hier u. in der Pfalz alles
wohlauf; nur von Kissel's hat Tante keine sehr
erfreulichen Nachrichten; Max soll zwar wieder außer
Gefahr, aber immerhin körperlich sehr elend sein, -
u. der Vater Kissel soll sehr gedrückter Stimmung
sein, woraus man schließt, daß auch die Geld-
verhältniße wieder auf unseren Füßen stehen.
Hr. v. Esebeck, war auf den Tod erkrankt, - ist jedoch
wie mir ein gestriger Brief [?'s] sagte, - die gleich auf
die Hiobsbotschaft hin, von Frankfurt nach Zweibrücken eilte
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auch wieder auf der Besserung. - Sie schreibt auch, daß
in Zweibrücken alles beim Alten sei, - u. sie es immer
langweiliger finde u. sich nachgrade auch fremd dort
fühle; wie würde ich, dann erst einen Unterschied
fühlen, - nachdem ich so lange Zeit nicht mehr in
der alten Heimath war. - Doch da muß ich Dir was
erzählen. - Vor mehreren Wochen, ging ich mit Robert
auf der Maximilianstraße, als eine alte Bürgersfrau
stehen blieb u. uns so auffallend anstaunte, - daß wir
aufmerksam wurden, - u. in ihr dann auch die Frau
des Casino [?] erkannten, - die nun hier bei
ihrer Tochter Bettchen, die gut verheirathet ist lebt;
natürlich sprachen wir sie an, - u. sie freute sich kindisch
sagte auch gleich; ach was haben die Zweibrücker für
eine Freude gehabt, wie der Herr Heinrich kam u.
alle so freundlich aufsuchte." - Sie selbst gefällt sich
aber hier gar nicht hat sehr Heinrich Heimweh nach Zwbr.; was ich
auch so natürlich finde, - ihr Mann sagte sie sei voriges
Jahr gestorben, - das Casino in andren Händen u. nahe
daran elend zu Grunde zu gehen. -
Ich erzähle Dir das, weil ich weiß wie sehr Du Dich für
alle Pfälzer détail's interessirst. -
Neues giebt es hier gar nichts, nur hat man einen
großen Jammer, daß Frl. Mallinger's Stimme, - in Folge
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längeren Unwohlsein's so schwach geworden, - daß sie nur
noch in kleineren Rollen auftreten kann; doch reißt
sie darin noch immer alles hin, - u. ertönt stets
riesiger Aplaus. - Nun die Carneval zu Ende,
treten die Conzerte wieder in erste Linie, u. ist
Frida da, nur Musik Enthusiastin; - wie geht es
denn bei der Kleinen mit der Musik? erlaubt die
aller Kleinste der Maman noch diesen Genuß, oder
nimmt sie ihre Zeit ganz in Anspruch?
Ich dachte Ihr schickt uns nun bald wieder Photographien
von dem kleinen Nichtchen, - das ja jetzt schon ganz
manirlich sein muß? Daß wir viel in Gedanken
bei Euch sind, - brauche ich Euch wohl nicht zu sagen, -
u. tief beklagen wir immer, daß eine so große
Entfernung uns trennt. - Die Bekannten fragen
stets nach Euch, Esebecks in allen Briefen,
selbst hier in den Kaufläden, - hat man mich schon
gefragt, wie es wohl der reizenden jungen Frau ergangen
sei, - namentlich bei Kaisenberg wo Fanny die
Kindersachen machen ließ fragt man stets nach ihr, -
u. ich freue mich, stets nur Gutes von ihr u. dem
Kinde berichten zu können.
Daß Dir Deine neue Beschäftigung so zusagt ist uns
eine große Beruhigung, u. hoffen wir, daß dies
dauernd der Fall sein möge; Fanny freilich, wird
Dich ungern so viel entbehren, - doch hat sie ja mit
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Kind u. Mutter so viel Beschäftigung, daß ihr gewiß
nie die Zeit lange wird. - Respekt, vor Mr. Frank,
daß er sich schon einer so hübschen Stellung erfreut, -
mit meinen besten Grüßen bitte ich ihm meine
Glückwünsche dazu zu sagen. -
Euren Briefen nach, hat sich der Winter bei Euch viel
schlimmer angelaßen als bei uns, - u. ist es mir ein
Zeichen wie viel besser Deine Gesundheit doch
geworden sein muß, - daß Du doch wenig von
Erkältungen zu leiden hast. -
Dein nächster mit Spannung erwarteter Brief, erzählt
uns wohl von Deiner Reise; so viel Anregendes,
neues bringen Deine Briefe, - bei uns bewegt
sich das Leben stets in so gleichförmigen, ruhigen
Verhältnißen, - u. wenig läßt sich berichten. -
Die von Dir gewünschten Bücher aus der Manz'schen
Buchhandlung liegen bei uns; was sie kosten,
theilte ich Dir schon im letzten Briefe mit. -
Und somit alles erzählt, - ziemlich alles, Dich
interessirende berührt ist, - schließe ich für heute
mit der Versicherung, daß bei uns alles wohlauf ist,
u. wir nur hoffen wollen, daß es so bleibt -
[page 8 (sheet 3, left-hand side):]
Von Tante, Richard u. Robert tausend Grüße an Alle,
natürlich deßgleichen auch von mir, - u. besonders
noch der Kleinen u. Kleinsten innigen Kuß
von Eurer Emma. -
Auch von den Xylander'schen Familien [?]
alles Schöne; das kleine Mädchen meiner Schwägerin
Anna, wird recht nett u. ist nur fast zu lebhaft
für ein Mädchen. -
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