Collection: Henry Villard Family Letters
Author: Emma Hilgard (von Xylander)
Recipient: Henry Villard
Description: Letter from Emma Hilgard von Xylander to her brother, Henry Villard, May 5, 1869.
Original text
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München d. 5/5 69.
Mein lieber Bruder!
Die letzten Nachrichten von uns, kamen Dir durch Tante
zu, - u. damals war Alles wohlauf, - u. Tante ist [insertion] auch [/insertion] entschieden
mobiler wie seit langer Zeit, - macht Besuche, Spazirgänge
allerdings findet sie noch etwas dabei, - doch macht ihr das
Gehen viel weniger Beschwerden, u. hoffe ich, daß wenn sie
in diesem Jahre noch einmal die Rosenheimer Cur gebraucht,
sie wieder ganz hergestellt werden wird. -
Bei uns hingegen ging es seither weniger erfreulich; Robert
war nämlich 4 Wochen bettlägrig, - u. zwar an der scheußlichen
Blatternkrankheit, sogenannten Varioliden, die gottlob in
leichtem Grade auftraten, - aber mich Tag u. Nacht
in Sorge sie auch zu bekommen ließen; Lotzbeck, unser
nunmehriger Arzt, - wandte zwar gleichfalls praeservatives
an, - Chlor in alle Zimmer, - Tag u. Nacht offene Fenster, -
so wenig wie möglich durfte ich [insertion] in [/insertion] dem Krankenzimmer sein, -
u. zweimal mußten sowohl ich, als Bediente u. Magd
uns impfen lassen. - So kamen wir bis jetzt unge-
fährdet durch, - u. da Robert nun seit 10 Tagen wieder
ausgeht, - Bureau u. Tambosi besucht, - haben wir auch wohl
nichts mehr zu befürchten. - Wie Robert in gesunden Tagen,
ruhig ist so war er auch in seiner Krankheit, - klagte nie, - u. ertrug
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Alles mit großer Geduld, - obwohl die Krankheit eine sehr
peinliche sein muß. - Über mich, war förmliche Quarantaine
verhängt, - alle Bekannten mieden mein Haus, -
ich durfte zu Niemand, - u. führte ein sehr tristes
Leben; - gottlob ging die Sache doch rascher vorüber als man
anfangs glaubte, - u. ließ sehr wenig äußerliche Spuren
bei Robert zurück u. körperlich fühlte er sich nun der Giftstoff
heraußen, besser wie seit lange. - Auch meine Schwiegermutter
ist seit 3 Wochen krank in Folge eines Falles aus einer Droschke,
der eine leichte Gehirnerschütterung nach sich zog die bei einer
älteren Frau immer besorgnißerregend ist. - Zu all' dem Leid nun
uns kam auch noch die Nachricht, daß Richard eine heftige
Unterleibsentzündung habe, - die ihn Wochenlang an's Bett
fesselte, - [insertion] doch [/insertion] auch er ist nun wieder auf, - u. darf das schöne
Frühlingswetter zu kleinen Spazirgängen benutzen. -
Ich war wenig gestimmt unter diesen Umständen Briefe zu
schreiben, - darum lieber Heinrich sage ich Dir auch heute erst
meinen u. Robert's besten Dank, - für den großen
Beitrag zu unsrer Wohnungsmiethe, der uns wieder einer
auf uns lastenden Sorge enthob. - Wie [insertion] Du [/insertion] aus der beiliegenden
Nota ersiehst ergab der Wechsel 210 fl 16 kr es blieb also
ein Rest von 10 fl 16 kr für die Manz'sche Rechnung;
dieselbe, betrug nun wie Dir wohl Tante schon
geschrieben hat 20 fl 45 kr - u. hat den Mehrbetrag
als obige 10 fl 16 kr Tante vorgestreckt, - sohin Du
dieser 10 fl 29 kr schuldest. - Tante nun trägt mir
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auf Dir zu sagen, - daß sie den Wechsel auf 785 frcs
richtig erhielt, - u. lege ich auch die betreffende Nota
bei; sie sagt sie wisse nun nicht habe sie mehr
empfangen als ihr gebühre oder nicht, - Du möchtest
ihr doch im nächsten Briefe sagen, - wie es sich damit
verhalte, - ob sie Dir nun oder Du ihr was schuldest. -
Hast Du nun wohl die Manz'schen Bücher u. Karten
erhalten? Zu der bestimmten Zeit, ließ ich sie durch
Manz an das Consulat nach Frankfurt schicken,
ein paar Tage darauf kam von dort die Nachricht sie
hätten keinen Auftrag, für Dich etwas in Empfang zu
nehmen; - [insertion] u. wolle man die Sachen zurück schicken [/insertion] ich bat nun Manz wieder zu schreiben, - man
möge sie liegen ließen, - bis Ordre käme, - seitdem
hörte ich nun nichts mehr.
So sehr erfreulich stets die Nachrichten über Fanny 's
u. Helenchens Befinden lauten, so betrübt es uns
doch recht, daß Du lieber Bruder wieder so von Kopfschmerz
heimgesucht bist; bitte, arbeite nicht zu viel, - strenge
Dich nicht so an, - wir sehen ja hier, wie gut Dir Ruhe
thut, - u. die bessere, beständigre Jahreszeit, - wirkt gewiß
lindernd auf Dich ein. - Die Photographie von Fanny
als Kind; die Du mir neulich schicktest, ist herzig
nett, - u. ist nur zu wünschen, daß Helenchen, -
sich ebenso auswächst. -
Die verschiedenen Krankheiten in der Familie abgerechnet
blieb sonst, seit ich Dir zuletzt schrieb, alles im alten Geleise;
Robert 's Bruder Oscar u. Emil sind nun in Augsburg
in Garnison, - u. kommen alle paar Wochen mal flüchtig
zum Besuche hierher. - Ich bringe viel Zeit bei Tante zu,
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die nun schon heftig an die Übersidelung nach Rosenheim
denkt; sie wird wohl bis 20ten dahin abgehen, so daß
Wetter dauernd schön bleibt; vorläufig beabsichtigt
sie bis Anfang Juli dort zu bleiben, u. so das Bad
ihr gut thut, - will sie dann noch nach Heidelberg,
Speier u. Kaiserslautern. - Sie wünscht, daß ich
sie auf letzterer Tour begleite, ich glaube aber kaum, daß
das möglich sein wird, - da wir sehr sparen müssen, -
da Roberts kleines Pferd, - allmählig unbrauchbar
wird, u. bald durch ein neues ersetzt werden muß,
dann hat die Krankheit wieder viel gekostet, - u. auch
ich brauche jetzt hier eine Hamburger - Wassercur, -
da meine Erbrechungen, u. Kopfschmerzen sich wieder
häufiger eingestellt haben. - Das Frühjahr äußert
eben immer einen nachtheiligen Einfluß auf mich. -
Nun zu den Bekannten die Dich interessiren-
Frida Heintz schwelgt mit Gemahl seit 4 Wochen in
Paris, - wo sie [insertion] noch [/insertion] bis Juli zu bleiben, - gedenken, u. dann
nach 4 wöchentlichem Aufenthalt in der Pfalz erst
im September hierher rückkehren wollen. - Da wird
es dann Stoff zum Erzählen geben, u. ich sehe schon
in Gedanken wie die lebhafte Frau von mir
Extase in die Andere erfüllt.- Frau Hagemann
die den ganzen Winter sehr leidend war, ist doch
nun wieder so weit hergestellt, - daß sie manchen
Nachmittag bei Tante zubringen kann, -
u. wird auch demnächst einen Landaufenthalt machen. -
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Die Familie Bauer, geht Ende Mai auf 4 Wochen nach
Marienbad, - Direktor [Kalb?] ist aber auf einer Reise im
Orient begriffen. - Großmutter Hilgard ist vorgestern
in Folge eines heftigen Gallenleidens nach Karlsbad, -
so sagte Emilia, die mit Kindern hier mit Julius zusammen
lebt, gestern Tante; eine genaue Adresse von unserer
Cousine Julie, - nun verehlichte Meuth Aufenthalt in Amerika
wissen sie [insertion] auch [/insertion] nicht, [crossed out] sie glau [/crossed out] der Ort heiße Hartford, u. solle so wie
sie wissen unweit New-York's sein. -
Frau von Denis, unsre alte Bekannte, ist nach
Monatelangem, schlimmen Leiden, vor 14 Tagen gestorben,
u. ist ihre Leiche nach Straßburg gebracht worden, wohin
auch Hr. v. Denis nun zu seinen Verwandten zieht. -
Die Familien Fleschurz, Bosch, Horn, Börmann,
Steinmetz, - Heintz, etc sind wohlauf, - u. macht ein
großer Theil derselben schon sich zur Sommerfrische
reisefertig. - Robert u. ich werden wohl in Ruhe hier bleiben,
[page 6 (sheet 4):]
Ersterer frühstens einige Wochen auf Inspektion gehen, u.
ich vielleicht auf ein paar Tage nach Starnberg zu
Schulze u. Marie Esebeck, - welche sich dort auf 4
Monate eingemiethet haben, - u. schon Ende dieses
Woche dort einrücken. - Rittmeister Schulze ist im
Augenblick hier, - fragt viel nach Euch, - wie die Bekannten
überhaupt Alle, - u. läßt Euch herzlich grüßen. -
Graf Tattenback, - heirathet Anfang August,- u. scheint
seine Braut sehr zu lieben, - sie ist auch ein nettes Geschöpf. -
Ich habe in diesem Winter wieder manch' neue nette Bekannt-
schaft gemacht, - u. komme nun auch mit der Familie von
[?] zusammen, die Fanny mal bei einem Kalb'schen
Souper kennen lernte, u. ihr gut gefielen. - doch nun Alles
berührt, - der Stoff zu Ende ist, schließe ich für heute, mit den
wärmsten Grüßen für Euch Alle, - daran sich Tante u.
Robert, innig anschließen. - Empfehle mich allen
Angehörigen, besonders Mr. Frank, sei nochmals des besten
Dankes für Deine Güte versichert, u. sei mit Helenchen u.
Fanny geküßt von Eurer Emma. -
[page 1, postscript on top of page:]
Heute ist unsrer armen Anna
Geburtstag; am 30ten April der
theuren Mutter Geburtstag, war ich mit Tante draußen am
Grabe der theuren Eltern, - das nun in voller Blüthe prangt, - u. meine
stete Sorge, [insertion] es [/insertion] schön zu erhalten sein wird. -
[/page 1, postscript on top of page]
Letter metadata




