Collection: Henry Villard Family Letters
Author: Emma Hilgard (von Xylander)
Recipient: Henry Villard
Description: Letter from Emma Hilgard von Xylander to her brother, Henry Villard, May 11, 1869.
Original text
[page 1 (sheet 1, right-hand side):]
Montag Nachmittag. d. 11/5.
Liebe Geschwister!
Die letzten Grüße Eurer Lieben, - sollen Euch noch
in Europa erreichen, - u. so beeile ich mich
denn noch heute ein paar Zeilen an Euch nach
Frankfurt zu richten damit Ihr sie noch sicher dort
erhaltet, - denn ich habe Euch eine Nachricht mitzutheilen
die namentlich für Dich Heinrich, sehr erfreuend
u. beruhigend sein wird. - Tante, hat eine Wohnung,
welch' großes Wort! u. zwar in der Maximilianstraße
No. 16/1 dicht neben dem Café Lorenz, - das erste
von den Häusern, - nach dem Café Lorenz, - die so
zurückstehen, - sie sieht aus ihrem hintern Zimmer
in Frida's Garten, - u. ist so nahe bei deren
Wohnung, - daß sie hinüber sprechen kann. -
Die Wohnung war heute Morgen in den Neusten
Nachrichten; um 16 Uhr, ging ich mit Frida hin
sie ansehen, - u. da sie uns sehr gefiel, - lief
ich dann zu Tante, - setzte mich mit ihr in eine Droschke
[page 2 (sheet 2, left-hand side):]
u. fuhr dahin, - da zugleich mit mir noch eine
Familie sie angesehen, - u. Lust gezeigt hatte
sie zu nehmen, - also keine Zeit zu verlieren war.
Tante, - gefiel sie auch, - nur der Preis von 450 fl
schreckte sie zurück; ich redete nun sehr zu, - da
die Wohnung ganz passend ist, - wir drangen
in die Hausleute, - so gingen sie denn herunter
bis auf 430 fl, - u. Tante miethete sie nun zu
meiner großen Beruhigung definitiv. -
Besagte Wohnung ist also nur [underline:] eine [/underline] sehr leicht zu
steigende Treppe hoch; enthält einen wunder-
schönen Salon mit 2 Fenstern, - [crossed out] auch [/crossed out] rechts u. links daran
je ein Zimmer mit einem Fenster, - diese 3 Zimmer gehen
in die Maximilianstraße u. dicht vor den Fenstern ist
einer der schönen grünen freien Plätze; rückwärts, sind
dann noch 2 sehr schöne sonnige Zimmer, - jedes mit einem
Fenster, - die Aussicht in Höhe u. Frida's Garten
haben; eine sehr schöne Küche, - Magdzimmer, - Speise u.
Holzlager, - d. großen [?]platz um Schränke zu stellen. -
Ich bin überzeugt, Tante hätte nichts Besseres u. für
sie bequemeres finden können, - [crossed out] u. [/crossed out] sie ist noch bei
mir, - u. den besten Bekannten, - u. welch' schöne
amüsante Aussichten von ihren Fenstern aus. -
[page 3 (sheet 2, right-hand side):]
Uns allen ist ein Stein vom Herzen, - nun Tante
selbst zufrieden ist, - u. geht sie nun um Vieles
ruhiger nach Rosenheim. - Da Dktr. Lotzbeck
noch nicht hier ist, - weiß sie nun noch nicht genau
wann sie dahin reist, - sie denkt bis gegen den
20ten [?] dhs [/?]; ich werde nun, so nichts dazwischen
kommt definitiv am 23ten nach Bamberg gehen.-
Du lieber Heinrich, hast herrliches Wetter für
die Pfalz u. auch Fanny wird an der schönen
Umgebung Hamburg 's sich doppelt erfreuen,
u. stärken für die anstrengende Seereise.
Ein Münchner, wird mit demselben Dampfer
wie ihr nach New-York reisen; es ist dieß ein
junger Herr Schulze, - der in Veracruz ansäßig
ist, - u. nach mehrmonatlichem Aufenthalt hier, -
dahin zurückreist; - er ist ein Cousin von
Rittmeister Schulze, - soll ein gescheidter,
gebildeter Mann sein; er trägt einen schwarzen
Vollbart, - u. hinkt etwas. -
Unsere Gedanken sind natürlich viel bei Euch, -
u. sind wir voll Spannung auf Eure ersten
Boston'er Briefe, - ob sie uns wohl schon die
Ankunft des neuen Weltbürger's anzeigen??
War wohl Richard bei Euch in Frankfurt??
[page 4 (sheet 1, left-hand side):]
Bei Tante ist es natürlich seit Ihr fort seid, viel
stiller geworden, - doch hat sie nun mit den
Zurüstungen für den Rosenheimer Aufenthalt
viel zu thun, - u. so vergeht ihr die Zeit rasch;
Samstag Abend, - war ich mit Frida dort, -
gestern aßen wir u. abermals Frida, - deren
Strohwittwenschaft erst heute zu Ende geht, - bei
Tante zu Mittag, u. blieben auch den Abend dort; -
auch Bauer's kamen noch u. bedauerten sehr Euch nicht
mehr gesehen zu haben, - er, - war wieder etwas unwohl
gewesen. - Freitag Abend, - war Tattenback zum
Thee bei uns, - u. erzählte uns noch schweren Herzens
von dem Abschiede an der Bahn; er ist empört, - daß
Ihr keine Photographien für ihn dagelassen. -
In dem Familienkreise hat sich weiter nichts
ereignet; Julius war gestern in München bei
Tante, - u. erzählte ihr, daß er nächsten Sonntag
auf 8 Tage nach Berlin geht; er begleitet Großmutter
dahin, - die auf 2 Monate, zu einer dort lebenden
Freundin zu reisen, - sich entschlossen hat. -
Wir haben fortwährend sehr heiß, - u. man glaubt
sich schon in den Hochsommer versetzt. -
[page 5 (sheet 3):]
Eine große Scandalgeschichte in der höchsten
hiesigen Gesellschaft, - erregt hier seit 2 Tagen alle
Gemüther. - Der Flügeladjudant unseres
Königs Baron Künsberg (weißt Du der
junge Mann, der immer mit Herzog Emmanuel
herum ging,) ist mit der jungen Gräfin Arco, -
Mutter von 3 kleinen Brüdern, - auf u. davon
gegangen. - Es ist dieselbe junge [insertion] hübsche [/insertion] Arco, die
neulich in den Hugenotten rechts von uns im
1ten Range saß. - die beiden liebten sich schon
längere Zeit, - ohne, daß der Mann Arco,
Schlimmes ahnte; vor 3 Tagen nun, - soll
man ihm zu verstehen gegeben haben, - daß seine
Frau treulos sei, - er drohte ihr, - sie zu
züchtigen wenn sie sich nicht bessere, - u. so
bestürmte sie Baron K. mit ihr durchzu-
gehen, - u. das nette Paar entfloh auf
das Künsberg'sche Gut bei Regensburg, -
wo der Roman nun wohl bald zu Ende
sein wird, - Arco, soll noch hin, - um sich
mit dem Rivalen zu schießen, - u. was aus
der Frau wird wissen die Götter, - heirathen können
[page 6 (sheet 4):]
sie sich nicht da Beide, katholisch sind, -
u. auch nicht Geld genug dazu haben;
furchtbar dumm ist die Geschichte; er verscherzt
seine ganze Cariére, da ihn der König nun
wohl nicht behalten wird, - u. sie verläßt
Die glänzendsten Verhältniße einen sie ver-
götternden Mann u. 3 reizende Kinder wovon
der jüngste 1 1/2 Jahre alt ist, - u. kann wohl nie
mehr hierher zurück, - denn die altadelige Arco'sche
Sippe, - wird diesen Schimpf nicht vergeßen. -
Sonst geht hier alles seinen Gang; Bertchen hat
viel zu thun, - da sein unmittelbarer Chef, Oberst
[?], - Vater von 6 kleinen Kindern, gestern
plötzlich starb, - u. er nun bis ein andrer
ernannt ist alle Geschäfte des Generalkommando's
unter sich hat. -
Doch nun Ihr Lieben, left wohl; - Stoff u. Papier
ist zu Ende u. ich gehe nun zu Tante;
Tausend Grüße u. Küsse von uns Allen, -
u. viel Glück zur Überfahrt. -
Laßt bald von Euch hören, - grüßt mir
Fanny's Familie u. besonders Mr. Frank
bestens u. seid noch herzlich geküßt von
Eurer Emma.
Letter metadata




