Collection: Henry Villard Family Letters
Author: Emma Hilgard (von Xylander)
Recipient: Henry Villard
Description: Letter from Emma Hilgard von Xylander to her brother, Henry Villard, September 13, 1871.
Original text
[page 1, right-hand side of sheet 1:]
München d. 13ten September.
Lieber Heinrich!
Gestern Abend erst von einer 5 wöchentlichen
Sommerfrische hierher zurückgekehrt, fand ich Deinen
Brief vom 2ten [roman:] September [/roman] vor, - der uns die freudige
Nachricht Deiner baldigen Ankunft auf deutschem
Boden, - sammt Deiner lieben Familie meldet. -
Obwohl Du wiederholt den Wunsch ausgesprochen noch in
diesem Herbst nach [roman:] Europa [/roman] überzusiedeln, - so glaubten
wir doch nie so recht fest daran, - u. siehe, Ihr müßt
vom Entschluß, sehr rasch zur That gegangen sein, -
da Ihr schon in wenigen Tagen wohl bei Tante sein werdet,
die seit dem 1ten [roman:] September [/roman] im Bade [roman:] Homburg [/roman] ist
wo sie 3 Wochen zu bleiben gedenkt.
Ich hatte Dir von [roman:] Brixlegg [/roman] in [roman:] Tyrol [/roman], - [insertion:] aus [/roman] wo ich auf dem
Lande war, noch nach [roman:] Boston [/roman] geschrieben, der Brief kam
also wohl erst nach Deiner Abreise dort an, ich hatte Dir
darin gesagt, wie sehr mir der Landaufenthalt bekam,
so daß ich gekräftigt u. wohl wie seit lange nicht
zu [roman:] Robert [/roman] zurück kehrte. - Der arme geplagte Mann
[page 2 (sheet 2, left hand-side):]
kann sich dieses Jahr gar keine Erholung gönnen
eine solche Arbeitslast ruht auf ihm, - u. da ich
nun [roman:] en tout [/roman] in diesem Sommer schon 11 Wochen
allein ließ, - so wirst Du es begreiflich finden lieber
Bruder, - wenn ich Deine u Fanny 's großmüthige
Einladung Euch in [roman:] Wiesbaden [/roman] zu besuchen, - vorerst
dankend ablehne, - doch die Pflichten der Hausfrau
gebieten, daß ich nun bald mal wieder [roman:] constante [/roman]
hier bleibe, - sonst geht alles aus dem Geleise in
meiner Wirthschaft. - Do Und aufgeschoben ist ja
nicht aufgehoben, - seid Ihr einmal ganz [roman:] établirt [/roman]
an Eurem Wohnsitz, - habt die projektirten Herbst
Ausflüge alle gemacht, - wer weiß ob ich dann nicht
plötzlich noch vor der grimmigsten Kälte mich in Eurem
milden Clima wärmen, - oder im Frühjahr
wenn noch hier Schnee liegt bei Euch das Erwachen
des Frühlings mit ansehe. -
Ihr seid reiselustige, - u. so denke ich, - Du kommst
eben mal mit Fanny hierher, - freilich ist es schlimm
mir den Kindern, sie in der schädlichen Herbst u.
Winterluft hierher bringen, - ist nicht rathsam, -
aber Ihr findet vielleicht eine verläßige Wärterin
[page 3 (sheet 2, right-hand side):]
für dieselben so daß Ihr sie ein paar Tage ihr anvertrauen
könnt, - freilich wäre ich begierig die amerikanischen
Nichte u. Neffe von Angesicht zu Angesicht zu sehen, -
u. das wird ja im Laufe der Zeit sich in ein oder
der andern Art realisiren lassen. -
Wir hoffen nur zuversichtlich daß Euch Allen die
Seereise nicht zu sehr mitgespielt hat, u. Ihr gesund
u. fröhlich den heimathlichen Boden betretet. -
Ein schwerer Abschied wird es für Fanny gewesen
sein von Heimath Eltern u. Geschwistern, - doch
die Gesundheit Ihres Mannes geht Ihr wohl über Alles,
u. diese findest Du so Gott will bei uns wieder. -
Tante schrieb mir von [roman:] Hamburg [/roman] aus, - aber nicht
besonders vergnügt, - sie hatte sich scheint's mehr dort
erwartet, um so mehr wird es sie freuen Euch
plötzlich bei sich erscheinen zu sehen. -
[roman:] Robert [/roman] hat ihr eine Abschrift Deines Briefes sofort
geschickt, - so weiß sie von Eurem Kommen, -
ihr Adresse ist "Untere Promenade No 29 bei
Anspacher." -
Auch von Emil fand ich einen Brief hier vor
dessen Hochzeit ist wirklich im selben Oktober, -
[page 4 (sheet 1, left-hand side):]
u. nach derselben kommt das junge Paar auf einige
Tage hierher. -
Doch nun mögte ich noch vor Postschluß den
Brief fort bringen darum Adieu für heute. -
Von Robert Euch Allen schöne Grüße u. von
mir innigen Gruß u. Kuß Alt u. Jung. -
Deine Emma.
Letter metadata


