Collection: Benecke Family Collection
Author: Hermann Schorss
Description: Benecke family letter, October 3, 1873.
Original text
[roman:] Schwedt [/roman] d. 3. Octbr. 1873.
Mein gutes liebes Herzenskind!
Wir sollen Dich nicht trösten! Nein, das können wir ja auch nicht. Ich weiß gar auch daß in so bitterem Schmerz der Trost nur aus dem Inneren, aus dem Glauben an Gottes Vaterliebe, und aus stiller Ergebung in seinen Heiligen Willen, empor blühen kann. Auch Dir und Deinem [roman:] Louis [/roman] wird er daher kommen, der Frieden wird wieder in Eure Herzen einkehren, wo Ihr das liebliche Bild Eurer [roman:] Auguste [/roman] Euch treu bewachet.
Gottes Güte läßt Dich nicht verza= gen, Er der Dich sonst so reich ge= macht: Du hast Deinen Gatten, 2 so liebe reizende Kinder, die Deiner Liebe bedürfen, hast deine Mutter um
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um Dich und Geschwisterliebe steht Dir treu zur Seite, selbst wenn ich unserer auch nicht ge= denke, die wir Dich so treu und so innig lieben. Richte daher den Blick nach oben, dann wird der Strahl Seiner Gnade auch in Dein Herz fallen.
Mit dem Bilde Deiner [roman:] Dora [/roman] hast Du mir eine namenlose Freude gemacht. Was ist das für ein reizendes, schönes Kind! Ich muß das Bild immer wieder, und noch mal ansehen. Und dies Urtheil ist nicht blos das meinige, weil es Dein Kind ist, - nein Alle die es sehen, denen ich es voll Stolz zeige, sind entzückt. Sie allein muß Dir schon ein Trost sein, wenn sie auch die Lücke im Herzen nicht ausfüllt.
Grüße Deinen braven Mann, Deine liebe gute Mutter und die Brüder,
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und küsse mir meine Lieblinge Dora u. Lucie recht herzlich. Du aber bleibe meine gute liebe Josephine und schreibe recht bald einmal wieder einige Zeilen. Mit inniger Theilnahme Dein Onkel Amerlan
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Liebe Tante Josephine
Da Tante Friedchen mor= gen einen Brief an Dich absendet so will ich auch einige Worte an dich richten. In der Schule in Stettin gefällt es mir ganz gut ich bin Mi= chaelis nach [roman:] Ober-Quinta [/roman] versetzt worden. Wir sind jetzt die Ferien über bei Tante Fried- chen und Großpapann. Ich habe jetzt eine Brief= marken- und eine Mün= zensammlung, möchtest Du nicht so gut sein und mir ein paar Ameri= kanische Münzen oder ein paar Briefmarken schicken. Grüße Onkel
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[strikethrough:] Lui [/strikethrough] Louis und meine beiden Kusinen von mir und [strikethrough:] ge [/strikethrough] denke immer an deinen Pathen
[roman:] Hermann Schorss [/roman]
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Wir wohnen in Stettin Luisenstraße Nr. 25.
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Letter metadata




