Collection: Schulz Family Letters
Author:
Recipient: John L. Schulz
Description: Schulz family letter to John L. Schulz, July 14, 1892.
Original text
[page 1 (sheet 1, right-hand side):]
Issigau den 14 Juli 1892.
Gehertester Herr Vetter!
Es ist eine lange Zeit her, daß Du nichts mehr von Dir hören läßt, wie wir Dir schon mitgetheilt haben, daß uns das schwere Schicksal betroffen hat daß unser Vater zur ewigen Ruhe eingegangen ist, und wir uns bis daher mit aller Mühe durchgebracht haben; so schickte uns Gott am 26 Juni wieder einen schweren Schlag, es ist nämlich daß Münchesche Anwesen und Fiedler (Meierschenn) total nieder gebrannt, es ist früh gegen 4 Uhr zum Ausbruch gekommen wo gleich Haus und Scheune ein Feuer war gleich hoch, es hat dann doch Gott sey Dank nicht weiter gegriffen, aber die große Hitze
[page 2 (sheet 2, left-hand side):]
hatte schon das Oberlandshaus daß Dach ergriffen kannst Dir denken in welcher Gefahr wir gestanden sind bald in Bett verbrannt, da [insertion:] von [/insertion] der mächtigen Hitze die Fensterscheiben alle zersprungenund daß alte Haus von denn vielen Spritzen und Ausräumen faßt gänzlich ruinirt [strikethrough:] wurde [/strikethrough], und noch dazu manches wegetragen wurde. Lieber Vetter wir haben heuer man kann sagen ein trockenes Jahr bis jetzt die Heu ernte ist bereits zu Ende und auf trockenen Wiesen gering ausgefallen, das Gedreite[1] ist kurz auf Anhöhen sogar ganz roth theilweis so verbrannt, daß manches Stück nicht sehr zum Schossen
[page 3 (sheet 2, right-hand side):]
kommt, die Kartoffel stehen zwar schön brauchen aber sehr nothwendig Regen und der Viehpreis bedeutent zurück gegangen, da die Aussichten zu n Herbst futter schlecht sind, infolgedessen alle Verdienste spärlich ausfallen, kannst Dir denken wenn der Verdiener im Haushalten fehlt, daß wir uns in keiner glänzenden Lage uns befinden wenn man Brod. Erdäpfel[2] alles kaufen muß, und jetzt noch so u soviel wieder ans alte Haus wenden müssen von der Brandversicherung bekommen wir nichts und in Mobiliarversicherung sind wir gar nicht.
[page 4 (sheet 1, left-hand side):]
Lieber Vetter extra Neuigkeiten sind gerade nicht viel, Der Rittergutsbesitzer Georg Drechsel ist in diesen Frühjahr in Bayreuth in Irrenhaus gestorben und liegt dort begraben, seyt einigen Jahren kommen in Issigau viele Selbstmord vor, dort vor 2 Jahren der Maiers Ernst dann ein Postboth und jetzt gerade in den Tag wo der Brand ausgebrochen ist, der Findeiß von Eugenstein er hat zu Haus übergeben, und ist seitdem in Issigau gewohnt. war schon an 70 Jahr alt hat sich aufgehenkt.
Ich schließe und hoffe bald etwas zu hören von Amerika
Viele Grüße an Deine ganze Familie von uns allen.
Die Familie Schulz.
Anmerkungen
Letter metadata


