Collection: Crede Family Papers
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Description: Letter from Heinrich Carl Crede and Clotilde Crede to their son, Hermann Crede, and daughter-in-law, Maria Crede, February 25, 1860. The first and second parts of the letter are addressed by Heinrich Carl Crede to his son; the third part of the letter is addressed by Clotilde Crede to her son and daughter-in-law. The letter concludes with brief greetings from Hermann Crede's sisters.
Original text
[roman:] [underline:] Kassel, am 25ten. Februar 1860. [/underline] [/roman]
Mein lieber Hermann!
Am heutigen, Deinem [roman:] 24 [/roman] jährigen Geburtstage, wo wir Alle uns Deiner so lebhaft und mit so vieler Liebe erinnern, erbitten wir des Himmels besten Segen für Dein Wohlergehen, was uns Allen so sehr am Herzen liegt_. Dein Geburtstag wurde wie gewöhnlich bei uns gefeiert, die Kinder haben Dein Bild bekränzt und die Mutter hat die zu einer Geburtstagsfeier erforderlichen Kuchen gebacken p.p. Unsere Wünsche die sehr verspätet zu Dir gelangen, sind aber nicht desto weniger herzlich und innig. - So sehr mein lieber Hermann Du uns durch Dein Versprechen in Deinem [underline:] letzten Briefe [/underline] vom [underline *2:] 15t. März v. J. [/underline *2] erfreutest, uns nunmehr öfter und regelmäßiger als bisher Nachricht zu geben, so hast Du dennoch [underline *2:] nicht [/underline *2] Wort gehalten und haben wir leider nun fast ein ganzes Jahr nichts von Dir gehört und gesehen -, obgleich ich Deinen oben erwähnten Brief / welchen wir am [roman:] 10/4 59 [/roman] erhielten / als bald am [roman:] 14/4 59 [/roman] beantwortet habe.- Ich kann mir sehr wohl denken, daß dieser Brief nicht in Deine Hände gelangt sein sollte, indem solcher doch außerdem wohl wieder hierher zurückgekommen sein würde. - Du kannst Dir nicht vorstellen lieber Hermann in welche Unruhe Du uns durch Dein Stillschweigen versetzt und will ich hiermit meiner [underline:] so oft gethane [/underline] Bitte, [underline:] daß Du regelmäßig mindestens [underline *2:] alle drei bis vier Monate [/underline *2] schreiben mögest zum letztenmale wiederholen [/underline]_. Von [roman:] Wilhelm [/roman] sind wir noch fortwährend seit [underline:] dem [roman:] 26t. Mai 1857 [/roman] [/underline] ohne Nachricht geblieben, was mir rein unbegreiflich ist, und mich nunmehr
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denselben nicht mehr zu bitten uns Nachricht über sein Thun u. Treiben zu geben, was ihm ohnehin eine theure Pflicht gegen sein Eltern gebieten sollte_! Nicht weniger kann ich mein Missfallen unterdrücken, daß Du mit [roman:] Wilhelm [/roman] außer aller Correspondenz lebst. Wie ist es möglich, daß Brüder - noch dazu in fremdem Lande - sich so fern stehen und an ihrem gegenseitigen Ergehen so wenig Interesse haben können? ! _ [roman:] Carls [/roman] letzter Brief lautet vom [roman:] 25. April 1858 [/roman] -, mithin sind bald 2 Jahre verflossen, daß wir auch von ihm keine direkte Nachricht haben; was um so mehr verwundern muß, da er aus Erfahrung weiß, wie sehr es uns beunruhigt, wenn wir längere Zeit ohne Nachricht von Euch bleiben-. [roman:] Carl [/roman] hatte - wir ich Dir bereits mittheilte, Deinen letzten Brief in [roman:] St Louis [/roman] zur Post gegeben, ohne demselben auch nur, ein Wort beizufügen.- Außerdem ist es gewiß sehr auffallend, daß wir bis zum heutigen Tage nicht einmal mit einiger Gewißheit wissen, was [roman:] Wilhelm [/roman] u [roman:] Carl [/roman] thun und treiben,- Ich darf doch wohl annehmen, daß sich bei einem jeden von ihnen irgendein bestimmter Lebensplan gebildet hat und daß sie ein Ziel verfolgen, das ihnen für die Folge eine [strikethrough:] sichere [/strikethrough] Existenz sichert, so wie daß sie außerdem darauf bedacht sind, in den ergriffenen Geschäften sich möglichst auszubilden und fortzuschreiten. - Ich darf und kann doch unmöglich annehmen, daß ihr seitheriges Streben nicht weiter gegangen wäre, als ihr Leben als gewöhnliche Arbeiter oder Tagelöhner hinzubringen. Das möchte mich in der Seele schmerzen und mir mein Leben - in
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in dem mir Freuden ohnehin spärlich zugedacht sind_äußerst verkümmern-. Haben Deine Brüder sich so ganz von den Pflichten gegen ihre Eltern losgesagt, daß sie es nicht mehr der Mühe werth erachten, denselben von Zeit zu Zeit von ihrem Ergehen Nachricht zu geben, erwarten wir doch mindestens von Dir lieber Hermann, daß Du uns in Deinem nächsten Briefe wahrheitsgetreu und ausführlich schilderst, wie es mit [roman:] Wilhelm [/roman] und [roman:] Carl [/roman] steht und uns gleichzeitig deren Addressen - die wir bis heute nicht besitzen, mittheilst.- Nun zu etwas Anderem! Wie geht es Dir uns Deiner lieben Frau in Eurer neuen Stellung? Hoffentlich doch gut?! Wie gehts mit Großvaters Grundbesitz? Wir wünschen sehr, daß das gute Einvernehmen in welchem Ihr nach Deinem letzten Briefe lebtet, Bestand gehalten habe und sind überzeugt, daß Du das Deinige thust, um solches zu erhalten.- Die Verhältnisse wegen der Uebergabe der Farm an Deine Person werden nunmehr wohl förmlich geordnet [strikethrough:] sein [/strikethrough] und damit Dein und Deiner Frau Zukunft gesichert sein. Hierüber willst Du mir hiernächst ausführlich schreiben-. Seit meinem letzten Schreiben / [roman] 14/4 59 [/roman] hat sich bei uns nichts Erhebliches Neues zugetragen-. Wir leben zufrieden und haben so viel, daß wir unsere bescheidenen Ansprüche vollständig befriedigen können. Nur wäre es sehr wünschenswerth daß es mit Deiner Schwester [roman:] Angeline [/roman] besser ging-, von ihrem bösen Kopfweh ist sie jetzt zwar ziemlich befreit, indeß leidet sie schon längere Zeit an Herzerweiterung und ist in Folge dessen sehr schwach und angegriffen. Sobald das Frühjahr kommt soll sie wieder nach Cörbecke
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Freudenthal [/roman:] zu ihren Pathe gehen und bis zum Herbst daselbst zubringen, weil der Arzt von einer Luftveränderung p. die besser Wirkung erwartet-. Wir übrigen groß u. klein sind gesund &. wohl auf. # Für den [underline:] möglichen [/underline] Fall, daß mein letzter Brief / [roman:] 14/4 59 [/roman]/ nicht zu Dir gelangt sein sollte, wiederhole ich hier den wesentlichen Inhalt desselben.- Namentlich theilte ich Dir die Nachricht von dem am [roman:] 5. Februar [/roman] v. J. erfolgten Ableben Deiner guten Großmutter, so wie von dem am [roman:] 27t. Nov: 1858 [/roman] erfolgten Dahinscheiden meines unvergeßlichen Freundes [roman:] Weißenborn [/roman] mit, sowie daß ich am [roman:] 1t. December 1858 [/roman] mit einem jährlichen Gehalt von [roman:] 500 [/roman] rt. zum Oberhofmarschallamt Repositar ernannt worden bin und nunmehr eine angenehme dienstliche Stellung habe.- Deine Tante [roman:] Louise [/roman] ist in [roman] Kauffungen [/roman] wohnen geblieben und hat daselbst eine Schule für Handarbeiten errichtet, sie ist wie sonst, fast stets kränklich, außerdem geht es ihr gut.- Auch habe ich Dir wieder eine neue Trauerbotschaft von dem so frühen, unerwartet Dahinscheiden Deines Vetters [roman:] Wilhelm Harnickell [/roman] in [roman:] Mehrungen [/roman], welches am [roman:] 9t. [insertion:] Janr. [/insertion] v. M. c [/roman] erfolgte, mittheilen.- Es ist dies äußerst hart für meinen alten Onkel, um so mehr, da der Verstorbene zu den schönsten Hoffnungen für die Zukunft berechtigte. Er hatte [insertion:] in [/insertion] seinem StaatsExamen den 1ten Grad_ der äußerst selten ertheilt wird, erlangt und war schon längere Zeit mit Versehung der Oberförsterei [roman:] Heina [/roman] beauftragt. - Er starb in Folge einer Hirnentzündung in seinem [roman:] 28t. [/roman] Lebensjahre-. Onkel ist für sein Alter noch rüstig, wogegen [roman:] Minchen[/roman] schwächlich ist und öfters kränkelt.
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[roman:] Wilhelms [/roman] Dahinscheiden am schmerzlichsten u. drückensten, da sie ihre ganze Zukunft auf denselben gebaut hatte. [roman:] Curt Harnickell [/roman] ist noch in Uebelgönne bei [roman:] Jans [/roman], derselbe ist ein recht kräftiger Kerl u. tüchtiger Oeconom geworden_. [roman:] Albert [/roman] in [roman:] New York [/roman] soll es gut gehen_. Dein Vetter [roman:] Conrad Lampmann [/roman] ist Ende v. J. zum Fasanneristen in [roman:] Wilhemshöhe [/roman] ernannt. Seine junge Frau hat ihr vor Kurzem mit dem [roman:] 2te [/roman] Kinde einer kleinen Tochter beschenkt.- [roman:] Wilhelm Lampmann [/roman] ist noch in [roman:] Dresden [/roman] u. hat daselbst ein potographisches Institut mit gutem Erfolg [strikethrough:] b [/strikethrough] errichtet. In [roman:] Helsa [/roman] ist noch Alles wohlauf.- [roman:] Wilhelm Gundolach [/roman] ist, wie ich Dir bereits mittheilte wohlbestellter [roman:] GardeJäger [/roman], wie sich seine Zukunft gestalten wird, mögen die Götter wissen._ Auch in [roman:] Beberbeck [/roman] geht es gut_. [roman:] Hubertus Harnickell [/roman] dient noch im JängerBataillon und hofft im künftigen Jahre auf die Forst[?]hofe[?]Anstalt in [roman:] Mehrungen [/roman] zu gehen_. [roman:] Carl Harnickell [/roman] practizirt als Forstschutzjäger -. Onkel [roman:] H. [/roman] in [roman:] Beberbeck [/roman] hat schon öfter seine Verwunderung darüber ausgesprochen, daß ihn sein Pathe [roman:] Wilhelm Crede [/roman] nicht einmal schrieb, was Du demselben mittheilen kannst.- Dein Freund [roman:] Carl Winhold [/roman] war vor Kurzem hier, derselbe ist noch in Elberfeld und wird nächste Ostern die Tochter seines Meisters heirathen und dessen Geschäft übernehmen.- Dein Vetter [roman:] [?] Rhein [?] [/roman], wohlbestellter preußischer Lieutenant war auch vor Kurzem hier.- Wir wohnen noch in unserem alten Logis bei [roman:] Zahn [/roman] und denken auch vorerst an keinen Wechsel desselben, da wir ganz angenehm wohnen-. Schließlich mein lieber Hermann unser Aller herzlichsten Grüße, Großvatter, Deiner lieben Frau u. Dir. Möge es Euch Allen so wohl ergehen, als es wünscht Dein treuer Vater Credé
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am 13t. März 1860
Von Tag zu Tag mein lieber Hermann hoffe ich Nachricht von Dir zu erhalten, was mich veranlaßte diesen Brief bis heute liegen zu lassen-, doch habe ich vergebens gehofft und will ich nunmehr die Absendung desselben nicht mehr verzögern-. Wie ist der Winter bei Euch gewesen? Hier zu Lande war er zwar nicht sonderlich kalt aber wir haben viel rauhes und unfreundliches Wetter gehabt. Gegenwärtig liegt noch sehr viel Schnee, namentlich in den Wäldern, und wir haben jetzt noch jede Nacht starken Frost gehabt, so daß an GartenArbeiten noch nicht zu denken ist. -
Die Preise der Früchte sind seit Herbst in fortwährendem Steigen geblieben_ 1 Vrtl. Waizen kostet 9 rt. , Korn 7 1/2 rt. Gerste 6 1/2 rt. und Hafer 3 1/4 rt. - Ebenso ist Leder fortwährend theuer geworden-, Schuh und Stiefel kosten jetzt mehr als das Doppelte gegen früher. - [?] Verwandte und [?] Bekannte lassen Euch vielmals grüßen. Deine Brüder wirst Du baldigst mit unserer herzlichen Grüßen die erforderlichen Mittheilungen machen. Meinem [roman] Carl [/roman] die herzlichsten Glückwünsche zu seinem 20jährigen Geburtstage-, ich hoffe dieser Brief wird Dich wohl bis zu [roman] Carls [/roman] Geburtstag [roman] / 25/4 / [/roman] erreichen .
Euch Allen ein nochmaliges Lebe wohl! Dein tre. Vater Cr.
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Meine lieber Maria u Hermann!
Von Tag zu Tag warteten wier vergebens auf nachricht von Euch, ich hoffte immer die Anzeig von der Geburt eines Enkkelchens zu bekomen doch ich fürgte bald das Euch Ihr lieben [strikethrough:] ist [/strikethrough] ein Unglück begegnet ist schreibt doch gleich nach Empfang dieses Brief wie es Euch geht und ob der Großvater Euch nun den Farm in bester Form rechtens über geben hatt sollte es noch nicht geschehen sein so wartet keinen Augenblick lange da mit tuhet es mir zu liebe den es beunruhicht mich sehr, ach wie sind meine Gedanken immer bei Euch wie möchte ich Euch so gern eine rechte Freude machen do die Entfernung ist ja gar zu groß. Lieber Hermann habe nur Deine liebe Marie so recht von Herzen lieb desto wahrer liebe ist da ist auch Friede und wo Friede ist da ist auch Glück u es erträgt sich auch ein Unglück gleich vie besser ach ich möchte Dich nur einmahl als Hausvater sehen. Den 21. Aprill ist unsere Silberne Hochzeit es wird dies für uns ein trüber Tag sein weil ich nicht weis wie es mein liebe Söhne geht u wo Sie alle sind. Grüße u Gratolier mein liebe Carl zu sein 20 Jahr Geburtstag (welcher de 25 April ist) recht herzlich vo mir u treibe Ihn zu schreiben, ach u von Wilhelm habe wie so lange nichts gehört er scheihnt uns gans vergeßen zu haben.
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Am Sonaben de 10 Merz nuß Euer Hochzeitstage und ach auch den Geburtstag 25 Febru haben wir mit Kränzge und Kuche gefeierht und viel von euch gesprochen. Terese hatte auch die nothige krenze besorgt und sich in den besten Sontags Statt geworfen ich glaube wir denk mehr an Euren Ehhren Tage als Ihr. Selbst die Kinde lasse es sich nicht nehm sie recht von Herze zu feihern. Nuhn mein liebes Kinder lehbet recht wohl grüß den Großvater Wilhelm u Carl auf des Herzlichste von mir schrebe gleich u lehebet recht gesun dies wünscht Eure Euch zehrtlich liebende Mutter Clothilde.
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Lieber Hermann!
Ich versäume nicht Dir mit zutheilen, daß ich in 4 Wochen communiziren werde, wenn Du und Deine liebe Frau uns besuchen wollt, so soll es uns recht angenehm sein; die Einladung kommt zwar ein bischen spät. Viele herzliche Grüße an Dich und Deine liebe Marie von
Deinen
Dich stets liebenden Geschwistern
Minna Credé. Angeline - Therese - Adelheid.
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