Collection: Crede Family Papers
Author:
Recipient: Hermann Carl Crede
Description: Letter from members of the Crede family to Hermann Crede, March 18, 1869.
Original text
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[underline:] [roman:] Cassel [/roman], am [roman:] 21t. März 1869. [/roman] [/underline]
Mein lieber [roman:] Hermann [/roman]!
Wenn ich Dein Schreiben vom [roman:] 1t Novb. [/roman] v. J.erst jetzt beantworte, so hat solches endlich darin seinen Grund, daß ich sicher darauf rechne, eine von Dir in Aussicht gestellte baldige weitere Nachricht / nachdem Du [roman:] Wilhelm [/roman] gesprochen haben würdest / zu erhalten; da sich dies indeß so sehr verzögert, so kann ich nicht umhin, Dir ein neues Lebenszeichen von uns zu geben, obgleich in unserem Familienkreise seit einem letzten Schreiben sich nichts Erhebliches zugetragen hat._ Mit Bedauern habe ich aus Deinem Briefe entnommen, daß Du unwohl gewesen, hoffe aber, daß es Euch Allen jetzt gut geht. Bei uns geht es, abgesehen von einigen vorübergehenden Ausnahmen, die ja im Leben immer statt haben, ganz gut._ Wir haben Ende v. M. unsere alte Wohnung verlassen u. eine neue in der Friedrichstraße, ohnweit des neuen Wilhelmshöher Thors, bezogen, wir gefallen uns darin ganz gut, obschon solche etwas klein, dagegen mit einem jährlichen Miethzins von 120 rt. zu theuer ist, indeß kann man bei den bescheidenen Ansprüchen billige Wohnungen nicht mehr haben. Bei dieser Veränderung habe ich wenigstens die Annehmlichkeiten, daß ich in drei Minuten auf mein [roman:] Bureau [/roman] gehen kann, was sich jetzt im [roman:] Bellevueschloße [/roman] befindet, während ich früher eine volle halbe Stunde dazu nötig hatte, wodurch - bei viermaligem täglichen Wege eine bedeutende ZeitErsparniß herbeigeführt wird, was mir um so mehr zu gute kommt, als sich meine Arbeiten durch die [underline:] gesetzlich [/underline] angeordnete Sequestration des sämtlichen Vermögens der ehemaligen Kurfürsten, der jetzt in [roman:] Prag [/roman] wohnt, sehr vermehrt haben. Hätte der gute Mann die
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die Catastrophe von 1866 noch einmal vor sich, so würde er sich sicher Preußen anschließen u. weit besser dabei gefahren sein. Sequestration ist hauptsächlich dadurch hervorgerufen worden, weil der Kurfürst keine Ruhe gehalten u. namentlich Flugschriften hat verbreiten lassen, die Preußen nicht gefallen haben, weshalb er denn jetzt lediglich auf dasjenige Privatvermögen beschränkt ist, was er mit sich genommen hat, bzws. nehmen konnte. _ Obgleich man jetzt von allen Seiten den Frieden im Munde führt, so erscheint der politische Horizont in Europa dennoch trübe u. Gott mag wissen, was man noch zu erleben hat._ Eure Wahl des Generals [roman:] Grant [/roman] zum Präsidenten, wird ja von aller Welt so geprießen, daß man wohl von seiner Regierung recht viel gutes erwarten kann, möge der beste in Erfüllung gehen. Daß Ihr im v. J. eine so schlechte Ernte gemacht habt, u. somit Eure viele saure Arbeit sich schlecht gelohnt hat, bedauern wir gar sehr, möchtet Ihr dafür in diesem Jahre reichlich entschädigt werden. Bei uns war - abgesehen von dem ganz enorm heisen Sommer, die Ernte eine ziemlich gute, demohngeachtet dauern aber die hohen Preise aller Lebensbedürfnisse fort u. sind auch keine Aussichten da, daß sich solche ermäßigen werden._ Unter diesen Verhältnissen ist nicht wohl an Ersparnisse zu denken u. kann man zufrieden sein, wenn man eben sein Auskommen hat_. Es ist schon seit 6 Monaten eine Gehaltserhöhung für mich beantragt und darf ich wohl hoffen, daß solche nunmehr in der Kürze eintreten wird._ Es freut mich sehr, daß Du Deine Gebäude bald in gutem Stande hast, nur das Decken der Dächer mit Schindeln will mir nicht recht scheinen, da ich nicht annehmen
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nehmen kann, daß solche von besonderer Dauer sind u. müssen solche durch Witterungsveränderung doch sehr leiden, wahrscheinlich sind Ziegeln zu beschwerlich zu beschaffen u. wird es demnach wohl auch an Backsteinen fehlen._ Hoffentlich hast Du inmittelst [roman:] Wilhelm [/roman] besucht und wirst nun im Stande sein, mir bezüglich auf mein Schreiben vom [roman:] 19. Juli [/roman] v. J. Mittheilungen zu machen. [roman:] Wilhelms [/roman] letzten Brief erhielt ich gleichzeitig mit dem Deinigen, ein eigenthümliches Zusammentreffen, ich habe heute auch an [roman:] W. [/roman] geschrieben. Dem in Aussicht gestellten deutschen Brief von Deinem [roman:] Carl [/roman] sehen wir mit Vergnügen entgegen, nicht weniger hoffen wir von Dir recht bald zu hören_ Lebe recht wohl u. sei mit den Deinen von uns herzlich gegrüßt Dein treuer Vater Credé
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Liebster [roman:] Hermann! [/roman]
Mit Bedauern haben wir aus Deinem Brief ersehen, daß Du unwohl gewesen bist, hoffentlich bist Du aber jetzt wieder ganz gesund. Was machen die Kleinen, wird uns Karl, bald einen deutschen Brief schreiben wir freuen uns sehr darauf. Wie hat es Euch im verflossenen Winter ergangen, war das Klima recht kalt? Bei uns ist es weniger kalt wie regnerisch gewesen. Wir haben oft mit Bedauern an die Kinder gedacht u. die weiten Schulwege, wir wohnen Gott sei dank in der Stadt und und empfinden erst jetzt, wie schön es ist, nicht so weite Wege zu haben. Nun lebe wohl, ein lieber Bruder, grüße und küsse Alle recht herzlich von mir und sei Du gegrüßt und geküßt von Deiner Dich liebenden Schwester [roman:] Adelheid. [/roman]
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Mein herzig lieber Hermann! Tausend Dank führ Dein lieb Brief mit bedauren sehe ich daraus daß Ihr ein so schlechte Ernte gehabt habt u nun alle saur Arbeit umsonst ist Du armer Hermann! Wie sehr betrübt es mich Ihr habt doch nich Nod gelitt. Der klein Willie hat Dich [illegible 2 words] nicht entbehren müsse u ziehe mir ja Dein Kinder nicht ab wen es eben geht u last sie nur nicht zu frich saue, Arbei thue ach wie gern möcht ich bei Euch sein wie freue ich mich auf Karl Brief wen ich doch mir Di lieb Kinde eine Freud machen köntt erzehle nur oft u viel von der alte Großmutt die der Kinde so lieb hatt. _ Ich bin gestern bei den Freund B. Hermann gewesen Er läßt Dich herzlich grüßen auch Fr. Bayer läßt gruß u spricht oft nach Euch. Ich kaufe mein Fleisch größt theils für 23 Sg Es giebt 4 ℔ Speck, 3 ℔ Serweladwurst u 3 1/2 ℔ Schwein zu Thaler es ist alles sehr teuer die Eier koste 20 St 10 6 Sgr Weizemehl 18 ℔ 1/2 Thl 6 ℔ Brod 6 1/4 Sgr trozt der gut Ern hoe Preise. Mein liebe Hermann schreib mir gleich wieder u recht viel wo Dein Kinder u dem sonstige Verhältnißen, ach du glaubst nich wie ich mich freue vo Euc h zu hören, Du armer bist wieder krank gewesen ach schon Dich nur für die Kinde u sich es hat mir gewundet u ich aber es auch gesach Herman ist krank sonst hätt wir längst ein Brief u schreib recht oft Lebewohl meine liebe Hermann bleibe gesund & küß Karl John u William von Ihre so zertlich liebende Großmutter Clothilde.
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Mein lieber guter [roman:] Hermann ! [/roman] Obschon Du in Deinem letzten Brief, nicht eine Zeile an mich geschrieben hast, so kann ich dennoch die Gelegenheit nicht vorrieber gegen lassen ohne Dir lieber Hermann ein paar Worte zu schreiben. Wie es bei uns geht und steht wird Dir Papa wohl geschrieben haben. Daß es Dir nicht gut gegangen hat thut mir herzlich leid,
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leid, doch wird es hoffentlich Dir jetzt wieder gut gehen._ Minchen Harnickel, die in vorigen Jahre nach [roman] Neujorck [/roman] mit Ihren Bruder Kurt reißte, hat sich kürzlich an einen Gentelmann verheirathet. Sie reißte dort hin, um mit Ihrem Bruder Albert seinen Glanz und Reichthum zu theilen leider hielt das Glück nicht lange stich, denn Albert machte zum zweiten mal Bankrott. Aus den Gründen wird sie sich wohl entschloßen haben jetzt noch zu heirathen, sehr reich muß ihr Mann nicht sein, denn sie hat nach [roman] Cassel [/roman] geschrieben sie wollten sich Reichthum erwerben, um den Abend ihres Lebens wieder in Deutschland zuzubringen. Wie das zugehen soll davon kann sich Mama keinen begriff machen da Minchen nie an Arbeit gewöhnt war. _ Kurt ist nach Kalifornien, um dort Reich zu werden oder unter zu gehen._ Wie unendlich würden sich unsere guten Eltern [insertion:] u wir uns [/insertion] freuen, wenn die Hoffnung - die Du in einen Deiner Briefe uns bald einmal zu besuchen machst, - Wahrheit würde, wenn Du kannst liebster [roman:] Heermann [/roman] komm recht balt, ich würde glücklich sein, Dich den ich mir kaum noch denken kann einmal wieder zu sehen. Küße Deine kleinen Jungen von mir und sei Du herzlich geküßt von Deiner Dich innig liebenden Schwester [roman:] Therese [/roman]
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