Collection: Crede Family Papers
Author:
Recipient: Hermann Carl Crede
Description: Letter to Hermann Crede, March 26, 1871. The bulk of the letter was written by his father, Heinrich Carl Crede, with additional segments written by his sisters Adelheid and Therese and his mother Clothilde.
Original text
[page 1, 1st author (Heinrich Carl Crede):]
[roman:] Cassel [/roman] am [roman:] 26t. März 1871. [/roman]
Mein lieber [roman:] Hermann! [/roman] Deinen lieben Brief vom [roman:] 25t. Febr. c. [/roman] haben wir am [roman:] 22t. d. M. [/roman] erhalten u. uns außerordentlich gefreut, endlich [underline:] nach Verlauf eines ganzen Jahres - [/underline] mal wieder etwas von Euch zu hören, woraus Du entnehmen kannst, daß Dein Antwortschreiben auf meinen Brief vom [roman:] 17. Juli v. J. [/roman] nicht in unsere Hände gekommen ist. Meinen weiteren Brief vom [roman:] 10. v. M. [/roman] wirst Du inmittelst erhalten haben u. daraus ersehen, daß der verflossene Winter für uns nach jeder Richtung hin ein harter war -, doch was die Hauptsache ist, so geht es jetzt mit der Gesundheit Deiner lieben Mutter, wenn auch noch nicht ganz gut, indeß bedeutend besser, auch [roman:] Therese [/roman] ist etwas leidend, wogegen es den jungen Eheleuten recht gut geht, wir haben jetzt das schönste Frühlingswetter, was auf Gesunde u. Kranke seine Wirkung nicht verfehlen wird._ Zu dem neuen Ankömmling [roman:] Gustav Adolph [/roman] herzlichen Glückwunsch, möge er zu Eurer Freude an Geist u. Körper gedeihen-, Du hattest uns in Deinem letzten Schreiben von dessen Ankunft keine Mittheilung gemacht-, Mit vielem Vergnügen entnehmen wir aus Deinem lieben Briefe, daß Du mit fast StimmenEinheit als [roman:] County [/roman] Beamte gewählt worden bist, was mir wiederholt den erfreulichen Beweis gibt, wie sehr Du das Vertrauen u. die Achtung Deiner Mitbürger genießt u. bin ich fast überzeugt, daß Du solches stets zu würdigen wissen wirst, wenn das Einkommen auch nicht groß, so wird es doch immerhin einen angenehmen Zuschuß bilden, vorausgesetzt, daß Dir durch Deine längere Absonderheit von Deinem Farm nicht Nachtheile erwachsen, die den Nutzen aufwiegen._ Daß der verlassene Winter, sowie die vorige Ernteverhältnisse nicht günstig für Euch waren, bedauere ich sehr und will nur wünschen, daß Du nicht wieder durch den hohen Wasserstand so viel Schaden leidest, wie es bereits früher vorgekommen ist. Gleich dort, sind auch hier die Zeiten schlecht, das Geld ist fast wertlos geworden, Alles was man ansieht, kostet jetzt fast das Dreifache gegen früher, der Schwindel hat außerdem sehr zugenommen u. Bankrotte sind an der Tagesordnung, indeß wird bei solchen die Rücksicht wie bei euch nicht genommen, sondern dem Bankrottecurs Alles verkauft, trotzdem aber haben die Gläubigen sehr oft das Vergnügen nur 10 Prozent ihrer Forderungen zu erhalten. _ Hoffentlich kehren mit dem Frieden, der nun nicht mehr fern sein kann, auch wieder bessere Zeiten ein._ Unsere Truppen _ mit Ausnahme der Armeecorps, welche bis zur Erfüllung aller Friedensbedingungen in Frankreich verbleiben-, waren theilweise / namentlich die älteren LandwehrRegimenter / bereits auf dem Rückmarsch in ihre Heimath, wurden aber wegen der in Paris ausgebrochenen Revolution, wieder zurückbeordert, wegen [roman:] Bismark [/roman] / welcher inmittelst in den Fürstenstand erhoben wurde / der Regierung in [roman:] Versailles [/roman] Kundgethan hat, wenn sie nicht alsbald in [roman:] Paris [/roman] Ruhe schaffen, man dasselbe von den Forts aus, welche noch von unseren Truppen besetzt sind, beschließen u. die Deutschen in [roman:] Paris einmarschiren lassen würde, hoffentlich wird dies seine Wirkung nicht verfehlen._ Die Franzosen sind ein tolles, nichtswürdiges Volk, dem diesmal sein Recht geschehen ist, wie nie erhört. Unsere Kriegslasten, Einquartirungen dauern hier noch fort u. werden voraussichtlich auch noch nicht sobald aufhören._
Mit großer Freude entnehme ich Deinem Schreiben, daß Du uns in 2 Jahren zu besuchen gedenkst, möge diese Hoffnung zur Wahrheit werden u. Gott uns Alle gesund erhalten, so werden wir uns glücklich schätzen, dies zu erleben. [roman:] Carl [/roman] wird hoffentlich bis dahin schon soweit sein, daß er unter entsprechende Beihülfe den Farm wird versehen können, es freut mich, daß er bereits das edle Waidwerk ausübt und Dir tüchtig zur Hand gehen kann-, wie es scheint besuchen die Jungen den Sommer über keine Schule, da wird es freilich mit ihrer wissenschaftlichen Ausbildung nicht zum besten stehen._ Deine Tante [roman:] Louise [/roman] war gerade bei Empfang Deines Briefes bei uns _ sie freute sich sehr, daß Du ihr mal schreiben willst, führe es auch aus. [roman:] L [/roman] ist eine [underline:] richtige [/roman] alte Jungfer geworden, mit der nicht
gut
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gut hinkommen ist, da sie jedes Wort auf die Goldwage wiegt, während sie es mit sich selbst nicht so genau nimmt._ [roman:] Marie Schneider [/roman] von [roman:] Helsa [/roman], jetzt Frau Oberförster [roman:] Basch [/roman] _ besuchte uns auch vor Kurzem, sie fühlt sich bei ihrer zweiten Verheirathung recht glücklich u. hat es auch Ursache, da [roman:] Basch [/roman] ein sehr rechtschaffener braver Mann ist_. [roman:] M. [/roman] läßt Dich herzlich grüßen u. freute sich sehr, daß es Euch gut geht._ [roman:] Conrad Lampmann [/roman] _ Fasanenmeister zu [roman:] Wilhelmshöhe [/roman] _ der Euch vor Eurem Abgange die ersten Schießübungen ertheilte, schickt Dir nebst Grüße seine Photographie, damit Du Dich seiner um so besser erinnern könntest._ [roman:] Napoleon [/roman] hat nun endlich am [roman:] 19. d. M. Wilhelmshöhe [/roman] verlassen. Ich machte des Morgens an diesem Tage einen Spaziergang dorthin u. hatte Gelegenheit ihn in der Schloßkapelle, wo er die letzte Messe hörte genau zu beobachten._ Da sein Abgang bekannt geworden war, hatte sich eine große Masse Menschen in [roman:] Wilhelmshöhe [/roman] eingefunden, indeß begegnete der, der vor Kurzem der Welt noch Gesetze vorschreiben wollte, nur Verachtung u. Gleichgültigkeit ausdrückenden Gesichtern_. Die VergnügungsPartie, welche er mit seinen Truppen nach [roman:] Berlin [/roman] machen wollte um Deutschland daselbst den Frieden zu dictiren, ist ihm &. Allen die mit ihm waren sehr schlecht bekommen._ Von Deinem Bruder [roman:] Wilhelm [/roman] hatten wir auch vor Kurzem die erfreuliche Nachricht, daß es ihm mit den Seinen gut geht u. seine Familie sich durch den Zuwachs eines Söhnchens sich vermehrt hat, wir können nun wohl wegen künftiger Fortpflanzung unseres Stammes unbesorgter sein! - Indem ich schließe, hoffe ich, daß Du uns fortan öfters schreiben wirst u. verspreche ich Dir, daß Du auf unsere Antworten nicht lange warten sollst. Lebe mit den Deinigen recht wohl, sowie es von ganzem Herzen wünscht Dein treuer Vater. An [roman:] Carl [/roman] einen besonderen Gruß mit dem Hinzufügen, daß wir uns auf seinen versprochenen Brief recht freuten, er möge uns indeß nicht zu lange darauf warten lassen.
[roman:] Wilhelm [/roman] schickte uns vor einiger Zeit Photographien_ Familienbilder_ leider sind diese aber gar nicht gut ausgeführt, wenn Du uns welche zukommen lassen kannst, was uns höchst erfreulich wäre, so siehe zu, daß Du nicht einem Pfuscher in die Hände fällst. Das beikommende Bild, was [roman:] Wilhelm Lampmann [/roman] in [roman:] Dresden [/roman] gemacht hat, ist sehr gut &. bezeugt einen Meister in seinem Fache, er hat es nun auch schon so weit gebracht, daß, wie er mir bei seinem letzten Hiersein mittheilte, bald als Privatmann von seinem Gelde leben kann. Laß bald etwas von Dir hören & nochmals Lebewohl!
[page 3:]
[page 3, 2nd author (Adelheid Crede):]
Lieber [roman:] Hermann! [/roman]
Sehr erfreut waren wir, endlich wieder einmal einen Brief von Dir zu bekommen und namentlich freuten wir uns über Deinen kleinen Sohn. Ich gratuliere Euch von ganzem Herzen dazu und wünsche, daß er Euch immer recht viel Freude macht. Unseren Brief, wirst Du nun auch wohl bekommen haben und daraus ersehen, daß ich nun auch jetzt verheirathet bin und zwar sehr glücklich, wir haben uns beide sehr lieb. Gott nun waren es schon neun Wochen, die Zeit geht rasch rum, ich denke oft, es wäre erst verflossenen Sonntag gewehsen. Wie findest Du unsere Photographie, sie soll recht gut sein nur [roman:] August [/roman] macht ein bischen finsteres Gesicht, es dauerte sehr lange und da war mein liebes Männchen nicht mit einverstanden. Doch nun lebe recht wohl, grüße und küsse Alle Deine Lieben und sei auch Du herzlich gegrüßt und geküßt von meinem lieben [roman:] August [/roman] besonders aber von Deiner Dich liebenden Schwester [roman:] Adelheid. [/roman]
[page 3, 3rd author (Therese Crede):]
Mein lieber guter [roman:] Hermann! [/roman]
Auch ich wünsche von ganzem Herzen Glück zu Deinem kleinen Sohn, möge der allmächtige Gott Dich rechte Freude an ihm erleben lassen. Wer ist denn Pathe zu dem kleinen Sohn? ich hätte lieber gewünscht es wär ein kleines Mädchen dann hätte ich doch Pathe werden können, Mama meint zwar Jungen wären besser als Mädchen sie hatt wohl so ganz unrecht nicht._ Wir haben sehr lange auf einen Brief gewartet es machte den guten Eltern rechte Sorge daß Du gar nicht schreibst, ach liebster [roman:] Hermann [/roman] schreibe doch recht bald wieder Du glaubst gar nicht wie wir uns alle freuen wenn ein Brief aus Amerika kommt._ Nun lebe recht wohl mein lieber [roman:] Hermann [/roman] küsse mir recht herzlich die kleinen Jungen und sei Du gegrüßt und geküßt von Deiner Dich innig liebenden Schwester [roman:] Therese [/roman].
[page 3, 1st author (Heinrich Carl Crede):]
Anna [?] Beechfeld [/?] aus Oberkauffun[1] läßt Dich recht schön grüßen auch von Rudolph Hagemann Fritz [?] Rawey [/?] ein schön Gruß.
[/page 3, 1st author]
[page 4, 4th author (Clothilde Crede):]
Mein lieber Hermann!
Recht sehr habe ich mich gefreut entlich einen Brief von Dir zu erhalte ich wahr recht unglücklich so lange nichts von Dir zu höhrn denk Dir ein ganze Jahrh Du Deine letzte Brief der zu unser henden gekomen ist wahr auch auf Deine vorjerig Geburtstag geschriebe, also kanst Du unser große Sorge ermessen aber nicht wahr lieb Hermann Du wirst uns unser nicht mehr so lange warten lassen. Du fragst ob wir Deines Geburtstags gedenk wir kanst Du nur frage er wird so lange ich lebe nicht vergesse wirkmein erster Gedank ist an Dich u mein Gebet steig an den Tage um so innig zu Liebe Gott führ Deine wohl u meine Gedanke sind an dem Tage besonders bei Dich [strikethrough:] ich [/strikethrough] auch werde an dem Tage Dir zu Ehren Brezeln gebacken._ Zu Deinen 4 Sönge meine besten Glükwünsch ich freue mich daß Du Ihr Adolf genant hast, so hieß mein guter Großvater möge der kleine Adolf ein eben so gutes wie glücklig [illegible] werde. Wie lange haben den die Kinde zur Schuhle zu gehen, u gehen Sie bloß im Winter zur Schuhle u wie ist der Schuhlunterich befassen ist er gut wird Deutsch oder Englisch gelehrt? ach ich mocht die Kinde doch zu gern mahl auf Ihre Schuhl sehe auch ich muß in unser eine weite Weck zu Schuhle mache u meist allein ich denk noch jetz mit vien vergnüg an diese Wege zu rück es ist doch kaum gücklich Zeit als die kinderjahre, Seie Du nur jah recht gut u lieb gegen Deine pregtig Jungen ach ein Kinder Herz ist so leicht glücklich zu mache u wehre ich nur reich ich kenne kein große Freud als Kinde zu erfreuen Mein lieber Hermann grüß u Küsse mir Karl, John, Wille u Adolf erwhn Ihre recht fihl von Ihre Großmutt die, Dir artig Kinde so lieb hatt._ Ich habe mich auch recht gefreut daß Du wiede ein Amt hast Du kanst doch da Dein Kentnisse verwehrten u brauchst doch wohl nicht zu schwer zu Arbeiten aber lieb Hermann laß mir auch die Kinder nicht zu früh seine Arbeit führ es möcht zart Körper schade nuhn mein lieber Herman lebewohl denk recht oft an Deine Dich liebende Mutt
Anmerkungen
- ^ "Oberkauffun" = "Oberkaufungen"
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