Collection: Crede Family Papers
Author: Heinrich Carl Crede
Recipient: Hermann Carl Crede
Description: Letter written by Heinrich Carl Crede to his son, Hermann Crede, October 28, 1877.
Original text
[roman:] Cassel [/roman] am [roman:] 28t October 1877. [/roman]
Mein lieber [roman:] Hermann! [/roman]
Auf mein letztes Schreiben,- Antwort auf Deinen lieben Brief von [underline:] [roman:] 8t. März d. J. [/roman] [/underline] -, bis jetzt ohne Erwiederung kann ich dennoch nicht umhin, Dir über unser seitheriges Ergehen Mittheilung zu machen, in der sicheren Hoffnung, daß wir auch recht bald von Dir hören, wie es Euch seither ergangen hat. Wie ich Dir bereits mittheilte, war Deine gute Mutter im [roman:] Februar [/roman] d. J. nach [roman:] Straßburg [/roman] zu [roman:] Therese [/roman] gereißt, am 13. April ist eine kleine Tochter das. angekommen. Anfang [roman:] Juni [/roman] reißte ich nach [roman:] Straßburg [/roman] u. habe mich 2 Monate dort aufgehalten, dann gingen Deine Mutter u. ich von da nach [roman:] Wiesbaden [/roman] ab, wo wir während des Monats [roman:] August [/roman] die Kur gebrauchten u. dann nach Hause zurückkehrten. Obgleich wir in [roman:] Wiesbaden [/roman] u. der herrlichen Umgebung schöne Tage verlebt haben, so hat doch die Kur die gänzliche Beseitigung unser ehrenamtlichen Leiden nicht bewirkt. Meine rechte Hand ist noch so leidend, daß ich außer Stande bin, wie bei der Königlichen Regierung verlangt wird-, 10 Stunden täglich angestrengt zu arbeiten. Ich
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Ich habe mich deshalb genötigt gesehen, mich vom [roman:] 1t. Juni [/roman] d. J. an beurlauben zu lassen u habe bis heute meinen Dienst nicht wieder angetreten, auch bin ich nicht Willens, wieder in den Dienst zu gehen, da ich vollkommen überzeugt bin, daß dieses meine Gesundheit gänzlich untergraben würde_. Meine Vorgesetzten sind vollkommen mit mir einverstanden, daß ich hiernächst mit Pension ausscheide u. haben um der Pensionsbetrag zu erhöhen, eine Gehaltszulage bei dem Finanzminister / die mir rechtlich schon längst gebührt hätte- / beantragt. Sobald die Entscheidung hierauf erfolgt, werde ich meine Pensionierung beantragen u. hoffe dann nahezu 900 Thaler jährliche Pension zu erhalten, womit wir, Deine Mutter u. ich. auch ganz gut auskommen können, obgleich hier fortwährend alle Lebensbedürfnisse in nieerhörten hohen Preisen stehen._ [roman] Therese [/roman] in [roman] Straßburg [/roman] geht es gut, sie befindet sich nebst ihrer kleinen Tochter einam allerliebsten Mädchen, recht wohl und wird uns im [roman:] Mai [/roman] k. J. mit Familie besuchen worauf wir uns recht freuen; bedeutend würde.
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unsere Freude vergrößert werden, wenn dann auch Du aus den in Aussicht gestellten Besuch machen könntest_. Von [roman:] Straßburg [/roman] aus habe ich auch in diesem Jahre wieder herrliche Partien in den Schwarzwald u. die Vogesen gemacht-, ein prächtiges Stück Erde_! Auch habe ich die Schlachtfelder von Wörth, Weißenburg, Saarbrücken, Spichererhöhen p. p. besucht, die durch ihre vielen Denkmäler, Todtenhöfe u. Massengräber - in welchen letzteren öfter an 2000 Mann, Deutsche u. Franzosen rugen-, einen ergreifenden Eindruck machen. Es sollte kein Krieg in der Welt sein, doch wird er nie aufhören, so lange es Menschen gibt._ Von [roman:] Wilhelm [/roman] hatten wir vor Kurzem Nachricht u. war es uns außerordentlich erfreulich von ihm zu hören, daß er Dich besuchte u. Euch Alle recht wohl getroffen habt. Er schreibt diesmal zufriedener als sonst, da er sich einer guten Ernte zum erstenmal [insertion:] seit Jahren [/insertion] zu erfreuen gehabt hat, was uns sehr beglückt, leider ist er aber noch nicht im Stande mit dem Bau eines neuen Wohnhauses, was ihm sehr Noth thut zu beginnen u. äußert er, daß zuvor noch einige gute Jahre haben müssen, ich bedaure nichts mehr, als daß ich ihn nicht entsprechend helfen kann.
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Ich hoffe, daß Du [roman:] Wilhelm [/roman] auch bald einmal besuchen &. uns dann eingehend über dessen Verhältnisse schreiben wirst. Deiner Schwester [roman:] Adelheid [/roman] geht es nebst Familie gut, sie erfreuen sich Alle einer guten Gesundheit. Die beiden kleinen Mädchen sind recht liebe Kinder, die uns manchen Zeitvertreib machen.
Tante [roman:] Louise [/roman] in K. befindet sich noch wohl auf, sie führt noch immer ihre Schule u. macht Kapitalien für ihre zukünftigen Erben._ Du würdest sie sehr erfreuen, wenn Du ihr einmal schreibst, denn Du bist der einzige ihrer Verwandten, an dem sie mit großer Liebe hängte-, außerdem ist die Sorge für ihr Geld die Hauptsache. Sie hat es sich durch ihr ganzes Leben recht sauer werden lassen u. nur immer - u. nicht ohne Erfolg aufs Sparren gedacht, obgleich es vernünftiger wäre, wenn sie mehr für sich verwendete [strikethrough:] t [/strikethrough], da sie ihr sorgenfreies Auskommen hat. Mein Zureden in dieser Beziehung hat bisher nicht gefruchtet u. so muß ich sie ihren Weg gehen lassen._ Ich war vor Kurzem mal in [roman:] Kauffungen [/roman] u. habe auch unsere alten Freunde auf dem Bergwerk be
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besucht, [roman:] Spiehs [/roman] ist noch immer der Alte, gesund u. vergnügt, wogegen seine Frau seit lange schon sehr schwach u. kränklich ist, sehr schlecht hört u. fast nicht mehr sehen kann. Auch habe ich Deinen Jungendfreund Carl Spieß der Bergverwalter in [roman:] Saarbrücken [/roman] ist, von [roman:] Straßburg [/roman] aus besucht, ich hatte denselben seit Jahren nicht gesehen, erfreute sich über meinen Besuch ganz außerordentlich u. war den ganzen Tag über aus Rand u. Band. Er empfing mich mit einem Wagen am Bahnhof, den wir den ganzen Tag behielten um die [?] Selglachtfelder, Spiechererhöhen [?], Ehrenthal u. die sehr bedeutenden Eisenwerke zu besuchen. Carl ist bereits zum 2tn. male verheirathet u. hat drei sehr wohlerzogene Kinder, er ist ein guter Mansch, nur glaube ich, daß er mehr Bier trinkt als gut für ihn ist_. Es wurde Eurer Jugendzeit u. namentlich der vielfachen Excursionen nach der alten Hütte lebhaft gedacht u. trug mir Carl auf, wenn ich Dir schrieb, Dich herzlich von ihm zu grüßen-, dessen ich mich hiermit entledige. Auch unsere Verwandten in [roman:] Helsa [/roman] habe ich besucht-, wo ihr in Eurer Jugend auch manches Ver
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Vergnügen gehabt habt-, es geht ihnen gut und grüßen herzlich._ Wie ich weiß, halten Dich Deine Dienstgeschäfte viel auswärts u. wird nun wohl Dein [roman:] Carl [/roman] auf der Farm bereits [strikethrough:] [illegibel] [/strikethrough] Oberverwalter fungieren müßten u. hoffe ich, daß er diese Posten ehrenvoll ausfüllt, da bei Euch die jungen Leute viel früher selbstständig werden. Carl wollte mir schon seit lange einmal schreiben, es würde mich sehr freuen, wenn er dieses recht bald einmal ausführte.- Wie steht es jetzt mit der Kinder Schulunterricht, was machen sie für Fortschritte, in welchen Fächern werden sie unterrichtet u. in welcher Religion werden sie erzogen? Des Jesuitenwesen p p wird ja wohl, gleich bei uns, auch bei Euch seinem Ende entgegensehen?_ In Frankreich spielen die Jesuiten immer noch eine Rolle u. bestreben sich - was man bei jetziger Zeit kaum denken sollte -, das gemeine dumme Volk durch häufige Muttergottes Erscheinungen verrückt zu machen, was Dir wohl aus den Zeitungen bekannt sein wird._
Da ich jetzt viel Zeit habe, so habe ich einen vollständigen Stammbaum, von Deinen Großeltern aus
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anfangend, aufgestellt, Deine Frau u. Kinder haben darin ihren Platz gefunden, indeß könnte ich die Geburtstage von ihnen nicht eintragen, weil uns solche nicht genau bekannt, auch fehlt mir der FamilienName Deiner Frau, willst Du so freundlich sein u. mir in Deinem nächsten Schreiben hierüber die erforderliche Mittheilung machen, so würde mir dies sehr lieb sein u. ich meinen Stammbaum vervollständigen können. Derselbe kann vielleicht in späterer Zeit immerhin einiges Interesse für unsere Nachkommen habe. Bei [roman:] Wilhelm [/roman] ist nun am 12. v. M. auch wieder ein kleiner Bube zugegangen u. so haben wir wohl gute Aussicht, daß der Name [roman:] Credé [/roman] sobald nicht ausstirbt, möchten sie Alle ihn mit Ehren tragen u. den guten Klang den er bis jetzt gehabt hat, zu erhalten bestrebt sein._
Wie steht es mit Deiner Stelle als öffentlicher Notar?, Du bekleidest solche wohl nicht mehr? Hier hat man jetzt auch öffentliche Notare, dies müssen indessen Rechtsgelehrte sein, wenn sie recht tüchtig sind, so machen dieselben sehr gute Geschäfte u. hat Mancher wohl ein weit besseres Einkommen als ein Minister.
Hoffentlich hast Du in diesem - gleich [roman:] Wilhelm [/roman]_ auch eine gute Ernte gehabt, mache mir doch Mittheilung über Deine gegenwärtige Farmerei, Viehstand p.p. wofür ich mich sehr interessire. .
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Auch habe ich noch immer Interesse für die Jagd, obgleich ich längst ein Gewehr nicht mehr hinausgetragen habe-, Du wirst auch schwerlich Zeit zum Jagen haben, doch werden Deine älteren Buben wohl die Jagd exerciren?, habt Ihr viel Wild u. was für Art u. in welcher Weise betreibt man bei Euch die Jagd? Wie siehts mit dem Weinbau auf Deiner Farm aus?, ich erinnere mich doch, daß früher auf der selben auch Wein gezogen wurde. Auf meine Reise nach Frankreich hin, habe ich am Rhein p.p. große zusammenhängende Weinberge u. Weinfelder gesehen. In diesem Jahre wird die Qualität nicht sonderlich werden, da die Sonne in der Kochzeit zu sehr gefehlt hat. [roman:] Therese [/roman] schickt uns einen großen Korb mit Trauben, sie waren aber nicht so süß wie im vorigen Jahre u. etwas dickhäutig. Hoffentlich mein lieber [roman:] Hermann [/roman] hören wir nun recht bald von Dir, wie es Euch Allen geht-, Du schreibst gar zu selten u. freuen wir uns doch so sehr wenn wir gute Nachrichten von Dir erhalten.
Lebe recht wohl mit den lieben Deinen, seid Alle recht herzlich gegrüßt u. nimm die besten Wünsche für Eurer Aller Wohlergehen von Deinem treuen Vater.
[underline*2] Schreibe recht bald u. oft! [/underline*2]
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Der amerikanische Kartoffelkäfer zeigt sich hin u. wieder auch hier, wo dems. mit energischen Mitteln entgegen getreten wird.
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Letter metadata








