Collection: Crede Family Papers
Author: Heinrich Carl Crede
Recipient: Hermann Carl Crede
Description: Letter from Heinrich Carl Crede to his son, Hermann Crede, June 8, 1878.
Original text
[roman:] Cassel d. 8t. Juni 1878. [/roman]
Mein lieber [roman:] Hermann! [/roman]
Unsere beiden letzten Briefe - mein Schreiben vom [roman:] 16. April c. [/roman] u. das Deinige vom [roman:] 13. Mai, [/roman] [insertion:] / erhalten d 3/6/ [/insertion] haben sich gekreuzt u. wirst Du meinen Brief wohl bald nach Absendung Deines Schreibens erhalten haben. Für jetzt beabsichtige ich nun Dir mitzutheilen, daß Hr. [roman:] Bertels [/roman] uns mit seinem Besuch erfreut hat, selbstverständlich würde er auf das Freundschaftlichste von uns aufgenommen. Er traf am [roman:] 30. Mai [/roman] bei uns ein, wo ich ihm Cassel mit nächster Umgebung zeigte, Abends brachten wir auf dem Felsenkeller in der Colonischen Allee zu. Den 31. machte ich mit ihm eine Tur nach [roman:] Wilhelmshöhe, [/roman] wohin wir, / das heißt bis an den Fuß von [roman:] Wilhelmshöhe / [/roman] mit der [roman:] Tramway- [/roman] Bahn fuhren. Nach Besichtigung der schönen Anlagen p gingen wir nach der [roman:] Löwenburg [/roman] u. bestiegen dann vermittelst der unendlichen Treppen der [roman:] Hercules [/roman], sahen uns da entsprechend um, restaurirten uns in der Wirthschaft
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Wirthschaft daselbst, kehrten dann nach [roman:] Wahlershausen [/roman] zurück, aßen zu Abend u. fuhren eben mit der [roman:] Tramweÿ [/roman] nach Kassel zurück, wo wir dann den Abend auf dem Felsenkeller zubrachten. Ich habe mich sehr über die Rüstigkeit des alten Herrn gewundert, wir hatten wirklich eine anstrengende Tur gemacht, namentlich war das Auf- u. Absteigen der Treppe auf den [roman:] Hercules [/roman] für uns beiden alten Burschen kein kleines Stück Arbeit, wir haben es aber ganz gut fertig gebracht. Am [roman:] 1. Juni [/roman] besuchten wir die Carlsbaur, die sich seit dem Aufheben der sämmtlichen Gärtnereien in derselben sehr verschönert hat, auch das Orangerieschloß ist / für 80,000 rt: / neu hergestellt worden. Nach Besichtigung der Aue und dem daselbst eingenommenen Frühstück, wurde die neue Bildergalleria - ein herrlicher Bau - besichtigt, dann zu Mittag gespeist u. reiste Hr. [roman:] Bartels [/roman] nach dem Essen
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Essen nach seiner Heimath zurück. Wir hätten ihn sehr gern noch einige Tage bei uns behalten indeß ließ er sich hierzu nicht bereden. Ich hoffe daß Hr. [roman:] B. [/roman] einen günstigen Eindruck von hier mitgenommen hat. Er beabsichtigt demnächst eine kleine Rheinreise zu machen u. wird uns für diesen Fall nochmals hier besuchen.
Die Kunde von dem scheußlichen Attentat auf das Leben des Kaisers [roman:] Wilhelm [/roman] von Seiten eines Nichtswürdigen verruchten Menschen [roman] Dr. Nobiling [/roman], welcher zwei Schüsse / Rehposten u. Schrot / auf den Kaiser abfeuerte, wird sicher auch zu Euch gedrungen sein. Der Kaiser ist vielfach, im Rücken am Kopf u. Armen durch die Schüsse verletzt worden, jedoch soll glücklicher Weise für sein Leben nicht zu fürchten sein. [roman:] Nobiling [/roman] wurde unmittelbar nach der That ergriffen, hatte sich aber alsbald nach derselben in den Kopf geschlossen, wodurch er sich in einen Zustand befinden soll, der bis
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bis jetzt seine gerichtliche Vernehmung noch unthümlich gemacht hat.
Es freut auch uns Deinem Schreiben zu entnehmen, daß Ihr Alle Euch wohl befindet, bei uns geht es jetzt, namentlich mit dem Befinden Deiner guten Mutter auch wieder besser. [roman:] Therese [/roman] ist mit ihrem Töchterchen noch bei uns u. wird auch wohl noch ein paar Monate hier bleiben. Zu [roman:] Michaeli c. [/roman] werden wir unsere Wohnung verändern, wir haben nahe am Königsplatz der Post gegenüber gemiethet; die Wohnung ist freundlich u. gut, kostet aber jährlich = 310 rt: - gewiß ein hoher Miethzins._ Du wünschst Dir ein gutes Reißzeug, ich bin im Besitze eines solchen u. kann keinen Gebrauch davon machen, sollte Hr. [roman:] B. [/roman] nochmals bei uns vorsprechen u. Dir dasselbe mitnehmen können, will ich es Dir sehr gern überlassen. Für das überschickte Pfeifchen besten Dank. Ich hoffe nun recht bald wieder von Dir zu hören, namentlich ob Du [roman:] Wilhelm [/roman] besuchst u. wie Du Alles bei ihm gefunden, Hr. [roman:] B. [/roman] konnte uns über [roman:] Wilhelm [/roman] keine Auskunft geben. Lebe recht wohl mit den lieben Deinen u. seid [underline:] Alle [/underline] von uns herzlich gegrüßt. Dein treuer Vater.
Die geschäftlichen Mittheilungen habe ich mit Interesse gelesen u. danke dafür bestens.
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