Collection: Crede Family Papers
Author: Heinrich Carl Crede
Recipient: Hermann Carl Crede
Description: Letter from Heinrich Carl Crede to his son, Hermann Crede, March 26, 1884.
Original text
[roman:] Cassel [/roman] d [roman:] 26t. März 1884. [/roman]
Mein lieber [roman:] Hermann! [/roman]
Besten Dank für Deinen lieben Brief vom 25/27 v. M. aus dem wir mit viel Freude entnehmen, daß es Euch wohl geht u. Ihr Alle Euch einer guten Gesundheit erfreut_.
In dem Befinden Deiner guten Mutter ist leider eine Besserung noch nicht eingetreten u. eine völlige Wiederherstellung wohl kaum zu hoffen-, doch erträgt sie ihr Leiden mit viel Geduld. Mein GesundheitsZustand hat sich auch nicht verändert, Speiß und Trank schmeckt mir ganz gut, nur kann ich Hände u. Füße sehr schlecht gebrauchen-, beim Schreiben, was wie Du siehst, sehr schlecht geht, muß ich mich eines [roman:] Kork [/roman] federhalters von 1 Zoll Durchmesser bedienen, den ich mit meiner steifen Hand nur schlecht ergiren kann. Die Hand mag wohl denken, sie hätte im Leben ihr gut Theil geschrieben_. Ich habe unsere Wohnung, seit wir dieselbe bezogen haben, / d. / 2/10 v. J. / noch nicht verlassen, hoffe aber, wenn das Wetter erst die Gartenbestellung zuläßt, in unserem Garten das Gehen wieder zu exerzieren. Der Winter war für Leidende sehr ungünstig, wir haben im Ganzen nur einige Tage unbedeutenden Frost gehabt, außerdem trübes Wetter u. Regen, was auch jetzt noch der Fall ist. Hoffentlich wirds bald besser - Daß
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Daß sich [roman:] Carl [/roman] in [roman:] Colorado [/roman] andauernd gefällt, freut mich sehr und würde es mich äußerst erfreuen, wenn er mir bald einmal persönlich über die dasigen Verhältnisse &. sein Leben u. Wirken Mittheilung machen wollte. [roman:] John [/roman] hat wie Du schreibst, die Idee ein Geschäft zu erlernen, aufgegeben &. ist wohl bestellter Verwalter bei Dir geworden, was ich unter den gegebenen Verhältnissen am besten für Euch beide halte_. [roman:] Wilhelm [/roman] wird ja auch wohl bei der Farmerei bleiben?_ Ist für [roman:] Adolfs [/roman] Zukunft schon ein Entschluß gefaßt? Er muß ja nahezu 14 Jahre alt sein? Willst Du mir zur Erzeugung des von mir vor längst schon angefertigten Stammbaums die Geburtstage Deiner Söhne mittheilen_? Große Sorge haben wir uns Deinetwegen gemacht, als uns in Zeitungen die Nachrichten von den schrecklichen Verherungen durch Hochfluten beachten, glücklicher Weise seid ihr bis dahin verschon geblieben doch ist wie ich aus Deinem Schreiben ersehe, leider die Gefahr für Euch noch nicht vorüber. Hoffen, wir das Beste._ Deine jährliche Abrechnung wird sich sicher auch in diesem Jahr zu Deiner Zufriedenheit erledigt haben, worüber Du mir schreiben willst. Es freuet mich, daß Du ein angenehmes Geschäftslokal hast, was nicht zu unterschätzen ist. Dem schlechten Raum was ich in den letzten Jahren bei der
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der Regierung hatte, habe ich guten Theils mein gichtisches Leiden mit zu verdanken. Da Du doch nur zeitweise in Deiner Office anwesend bist u. Dein Gehülfe Abends nach Hause geht, so möchte ich wohl wissen, / in welcher Weise für die Sicherheit Deiner Kasse gesorgt ist?_ Deine Verköstigung unter v./ p. Tag, erscheint mir etwas hoch_ was wird Dir dafür gereicht?_ Ist [?] Cinn [?] eine Stadt? Wie viel Einwohner? _ Kassel hat sich seit 1831 _ wo ich hier her kam, von 26,000 auf über 63,000 Einwohner erhoben, die Stadt hat sich nach allen Richtungen hin, so vergrößert u. verändert, daß Du sie kaum wieder erkennen würdest -, auch in [roman:] Wilhelmshöhe [/roman] sind viele neue [roman:] Villa [/roman] u. eine großartige Wasserheilanstalt erstanden. Außerdem gehen hier [roman:] Lupus [/roman], Festlichkeiten, tägliche Vergnügungen aller Art mit den gerichtlichen ZwangsVerkäufen Hand in Hand u. verbraucht die Stadt den größten Theil ihrer SteuerEinnahmen_ die bedeutend ist_ zur Armenunterstützung, was wir wohl theilweise der Freizügigkeit verdanken_._ [roman:] Adelheid [/roman] u. Familie befinden sich wohl, werden zusammen die Osterferien bei uns zubringen. [roman:] Therese [/roman] u. [roman:] Adele [/roman] gehts gut, die kleine wird 13. k. M. 7 Jahr alt u ist ein recht aufgewecktes nettes Kind, was sich sehr auf die Schule freut. Deiner Tante [roman:] L. u. H. [/roman] gehts auch noch gut-, sie hat trotz ihrer 71 Jahre noch immer ihre Schule._ Hat [roman:] Wilhelm [/roman] mit Frau den
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den angekündigten Besuch bei Euch gemacht! Es thut mir recht leid, daß [roman:] W. [/roman] Braun sich nach ihrer Krankheit noch nicht wieder gänzlig erholt hat, hoffe indeß, daß die bevorstehende günstige Jahreszeit sie wieder kräftigen wird;_ Ich glaube, daß sich die Farmerfrauen mehr anstrengen müssen, als für ihre Gesundheit zuträglich ist_ . Ich muß zum Schluß kommen-, meine Hand will nicht mehr. Lebe recht wohl mit den lieben Deinen seid [underline:] Alle [/underline] recht gegrüßt und schreibe recht bald ausführlich über Euer Treiben u. Thun, Deinen americani. Viehstand p p., was Alles mich interessiert._ Behüt Euch Gott.
Dein treuer Vater.
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