Collection: Crede Family Papers
Author: Heinrich Carl Crede
Recipient: Hermann Carl Crede
Description: Letter to Heinrich Carl Crede to his son, Hermann Crede, August 21, 1884.
Original text
[roman:] Cassel [/roman] am [roman:] 21t August 1884. [/roman]
Mein lieber [roman:] Hermann ! [/roman]
Besten Dank für Dein l. Schreiben vom 15 v. M., welches wir am 3. d. M. erhielten u. mit viel Freude Euer Aller Wohlbefinden daraus ersehen haben_. Wir hatten schon lange mit Sehnsucht Nachricht von Dir erhofft u. bitten sehr uns [underline:] öfter [/underline] durch einen Brief zu erfreuen_.
Der Gesundheitszustand Deiner guten Mutter hat sich etwas gebessert, so daß sie öfter die Küche besorgen kann, obgleich eine gänzliche Beseitigung ihres Leidens wohl nicht zu hoffen steht._ [underline:] Mit Ausnahme [/underline] meiner gichtischen Leiden in Händen u. Füßen, ist meine Gesundheit recht gut. Ich muß viel Schmerzen ertragen, die mir oft die nächtliche Ruhe rauben. Mein ganzes Ausgehen beschränkt sich noch immer auf den Garten, meinen Händen kann ich nicht die geringste Arbeit zutrauen, auch das Schreiben wird mir äußerst sauer._ Am
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Am 5. d. M. feierten wir meinen 73t Geburtstag im Kreise unserer Familie u. haben [underline:] so Gott will [/underline] den 21. April k. J. unsere goldene Hochzeit zu feiern_.
Wie würde dieses seltene Feier erhöht werden, wenn wir an diesem Tage all unsere Kinder u. Enkel bei uns sehen könnten, was freilich nur ein frommer Wunsch bleibt. Adelheid mit Familie haben 5 Wochen - die Gerichtstermine - bei uns zugebracht u. reißten den Tag nach meinem Geburtstag wieder ab. Es gefällt ihnen Allen noch recht schlecht in [roman:] Homberg [/roman] u. wird sich mein Schwiegersohn bemühen wieder hierher versetzt zu werden. Hauptsächlich, weil die Kinder die nun schon herangewachsen // 11. u. 13 Jahre alt/ in [roman:] Homberg [/roman] keine entsprechende Ausbildung erhalten können. Vor einigen Tagen erhielten wir eine telegraph. Depesche wonach [roman:] Adelheid [/roman] schwer erkrankt sei & Therese sofort nach [roman:] Homburg [/roman] kommen müsse, wonach sie dann auch mit dem nächsten Zuge dorthin abgereist
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abreißte_. Nach weiteren Nachrichten ist die Gefahr vorüber-, [roman:] Adelh. [/roman] aber noch sehr leidend u. schwach. Sie hat hauptsächlich an heftigen Brust= u. Magenkrampf gelitten &. wird sich wohl nicht so schnell wieder erholen._ Es ist nur sehr gut, daß Deine Mutter jetzt unseren kleinen Haushalt versehen [strikethrough:] kann [/strikethrough] u. Therese [roman:] Adelh. [/roman] verpflegen kann. Mit Vergnügen ersehe ich aus Deinem Schreiben, daß Du eine gute Weizenernte gehabt hast, hoffentlich wirst Du auch mit der übrigen zufrieden sein können. Sehr verwundert bin ich, daß Ihr mit so geringer Hülfe eure viele Arbeit bewältigen könnt, jedenfalls aber müßt Ihr Alle Euch tüchtig rühren, was Ihr auch mit Freuden thuen werdet, wenn Euer Fleiß Belohnung findet._ Von [roman:] Wilhelms [/roman] ErnteMaschine, die den Weizen schneidet u. auch [underline:] zugleich bindet [/underline], kann ich mir keinen Begriff machen-, hier hat man noch keine solche Maschine, Du willst auch Land urbar machen, wie ich aus Deinem Schreiben ersehe, das wird indeß ein schönes Stück Arbeit geben,
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geben, wenn Zeune aufgeworfen u. Grüben gezogen werden müssen_. Ist der Boden mit Holz bestellt u. die Urbarmachung sonst sehr beschwerlich? Es freut mich, daß Ihr von Ueberschwämmung verschont geblieben seid, die so großen Schaden bringen u. dann nicht zu begegnen ist_. Auch die Einfriedigungen müssen sehr beschwerlich sein-, sind solche doch, wie ich mir denken kann, unerläßlich. Hier sind mitunter die Wilden parks auch mit Drath eingefriedigt. Daß [roman:] Carl [/roman] sich in [roman:] Denver [/roman] fortwährend recht gut gefällt, freut mich sehr, vielleicht findet er später Gelegenheit sich dort ansäßig zu machen. _
Mit Vergnügen höre ich, daß Dein Abrechnung gut verlaufen u. wird es sicher Deiner Gesundheit förderlich sein, eine demnächtige Wahl abzulehnen, obgleich ein finanzielles Opfer damit verbunden ist, so geht doch Gesundheit über alles. Ich muß schließen, da mir das Schreiben zu sauer wird_.
Mit den besten Wünschen für Euer aller Wohlergehen, herzliche Grüße u. in der Hoffnung [underline *2:] recht bald [/underline *2] wieder von Dir zu hören, verbleib Dein tr. Vater.
Letter metadata




