Collection: Crede Family Papers
Author: Therese Crede (Winhold)
Recipient: Hermann Carl Crede
Description: Letter from Therese Crede to her brother Hermann Crede, November 12, 1885.
Original text
[roman:] Cassel [/roman] den [roman:] 12./11. 1885. [/roman]
Mein herzliebster [roman:] Hermann ! [/roman]
Deine l. Brief - aus [roman:] New-York, [/roman] von Onkel [roman:] Curt [/roman] & aus [roman:] Westphalia [/roman] _ habe ich erhalten. Wie groß meine Freude ist, wenn ich ein Brief von Dir, meinen herzensLieb, erhalte kanst Du Dir gar nicht denken. Vor allen Dingen danke ich Dir, mein liebstes Herz, für den schönen Geburtstags Brief & für das große Geldgeschenk was Du mir gemacht hast, ich war wie aus den Wolken gefallen, ein solches Glück auf meinem Geburtstag von Dir einem Brief zu erhalten, daran hatte ich nicht gedacht.
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Auch für das Geld danke ich Dir viel, viel tausendmal, ich habe es gleich angelegt & freue mich sehr darüber, den Du weißt wie gern ich Geld habe.
Aber weißt Du mein lieber, guter [roman:] Hermann [/roman] ich mache mir immer Sorge darüber, ich denke die Reise hat Dir schon so viel Geld gekostet & nun giebst Du noch so viel Geld für mich aus._
Es hat uns Allen sehr leid gethan, daß Du keine gute Reise gehabt hast, in Gedanken war ich immer bei Dir mein Liebling, wir Alle freuen uns sehr, daß Du glücklich zu Hause bist & all die Lieben Deinen gesund angetroffen hast._
Mein liebstes Herzens Mätzchen, was wirst Du denken daß ich Dich so lange auf einen Brief warten lasse,
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nach meinem Geburtstag habe ich gleich die schon lange Aussicht genommene Reise nach [roman:] Jesberg [/roman] zu [roman:] Dr. v. Fragstein [/roman] gemacht, bin dort 2 Tage geblieben & bin dann ganz krank zu hause angekommen, habe eine Halsentzündung gehabt, mußte 14 Tage im Bett liegen & war recht krank, nun bin ich schon 8 Tage wieder auf, darf aber noch nicht aus dem Zimmer & fühle mich noch recht schwach. Wie sehr ich mich während der Zeit da nach meinem Liebling gesehnt habe, kannst Du nicht denken, ich glaubte, wenn Du hier seiest, wird ich schneller gesund. Es ist auch gar so still & einsam bei uns, wenn man sich selbst schwach fühlt & dann immer nur hört was andern alles fehlt, daß ist schrecklich. Onkel [roman:] Curt [/roman] hält Wort, er ist immer
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lieb & gut & besucht uns auch oft, ich bin immer froh wenn er kommt dann denkt [roman:] papa [/roman] doch auch mal eine Stunde an etwas anderes. Mit Onkel [roman:] Curt [/roman] kann ich so gut von Dir sprechen, & erinnern wir uns dann der schönen Stunden die wir drei zusammen verlebt haben, o mein herzens Lieb denkt Du auch oft davon?
Es waren doch die schönsten Stunden meines Lebens, ach wenn die Zeit doch bald wieder käm wo Du, mein Herzens Mätzchen, wieder mit uns ausgehen könntest._ Wenn ein Brief kommt, frägt [roman:] Ada [/roman] schreibt Onkel [roman:] H. [/roman] wenn er wieder kommt. Oh, wenn doch die Zeit erst da wär wo Du wieder kommen könntest._
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Dein Bild, mein liebstes Herz, habe ich sehr hübsch einrahmen lassen & hängst Du im Wohnzimmer über dem Sopha, mein erster Morgengruß gild Dir & vergesse ich nie Dir gute Nacht zu sagen. Mit [roman:] Ada [/roman] liege ich immer im Kriege sie sagt, Deine linke Seite hörr ihr Du habest es gesagt & dann küßt sie mir das Bild immer schmutzig._ Aber mein Liebling wie kannst Du so komische Fragen stellen, ob es mir lieb ist, daß ich Dich kennen gelernt habe, ich weiß es ja Du hörst es gern, wie lieb & theuer Du mir bist & bist Du mir so lieb wie man was auf Erden haben kann & bin ich glücklich einen solchen Bruder zu besitzen, den ich so von ganzen Herzen liebe._
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Eine Trauernachricht muß ich Dir noch mittheilen, Onkel [roman:] Koch [/roman] ist gestern Morgen gestorben, er ist 6 Wochen sehr krank gewesen & ist ihm sehr wohl. [roman:] Wilhelm L. [/roman] sagt [roman:] Elise [/roman] sei ganz außer sich, ich hoffe sie tröstet sich.__ [roman:] Mama [/roman] geht es ziemlich gut, sie hat durch mein krank sein, sehr ihre Last, hoffentlich werde ich sie bald wieder ablösen, das Nächste mal schreibt sie Dir, weil ich den Brief gern abschicken möchte. [roman:] Papa [/roman] geht es einen Tag wie den Anden, Du weißt ja wie. Ich habe Dir noch so viel zu schreiben doch kann ich nicht mehr & schreibe ich Dir in der nesten Zeit._ Wenn Du Zeit hast schreibe mal
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an Onkel [roman:] Curt [/roman]. Jeden Donnerstagabend kommt er mit [roman:] Sophie & [/roman] Würfeln wir dann, ich verliere recht viel, wir haben jetzt 6. M. in der Kasse, dafür wollen wir uns einen gemütlichen Abend machen.- Die Kethe_Kreutz Lotterie ist gewesen, ob wir was gewonnen haben weiß ich noch nicht, ich wünschte es sehr. Tante [roman:] Louise [/roman] habe ich noch nicht besuchen können, sobald ich kann gehe ich hin. _ [roman:] Papa, Mama, Ada [/roman], Onkel [roman:] Curt, Sophie, Wilhelm & Hedwig [/roman] lassen Alle gleich & Deine Familie herzlich grüßen. Ich sende Dir, mein innig geliebtes herzens Mätzchen, 1 000,000 Sonntagsküsse, im Gedanken bin ich jeden Tag bei Dir mein Lieb. Vergiß mich nicht, hab mich immer lieb wie ich Dich mein geliebtes Herz habe. Deine [roman:] Therese [/roman]
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Grüß all die Lieben Deinigen herzlich von mir & habe Deine
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Kinder recht lieb._
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Letter metadata







