Collection: Benecke Family Collection
Author: Augusta Amerlan (Schorss) [?]
Recipient:
Description: Letter from Augusta Schorss [?] to Josephine and Louis Benecke, January 24, 1908.
Original text
[roman:] Hasserode [/roman] 24.1.08.
Liebe Jose und lieber Louis
Nehmt tausend Mal herzinnigen Dank für Eure lieben Briefe und Karten, die uns ungemein erfreut hatten, wie Frieda Euch wohl geschrieben. Besonders gerührt war ich aber, daß Ihr sogar an meinen Geburtstag ge=dacht, und daß Du, meine Jose, ihn in der langen Zeit nicht vergessen; dazu die reiche Einlage! oh, Ihr Lieben, ich brauche keine sichtbare Erinnerung an Euch, Euer Bild steht fest in meinem Herzen! Daß wir uns früher nicht näher [insertion:] [roman:] traten, lag [/roman] [/insertion] sicher im Altersunterschied, Du warst 15 Jahr als ich Dich an Hermanns Taufe zuletzt sah, und ich 26. 11 Jahr bedeu=ten in dem Alter sehr viel. Ich hatte schon 3 Kinder, und du, liebe Jose, warst eben im erblühen!
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Um so schöner war nun diesmal das Zusammensein mit Euch, eine schöne Erinnerung für meine letzten Jahre! 73 Jahr! Frieda zog es vor, um die Anweisung einzulösen, statt zur Post, zur Magdeburger Bank zu gehen. Da war man sehr liebenswürdig, als der betreffende Beamte Euren Namen hörte. "Ach, Herr Benecke, das ist der freundliche Herr, der im Sommer mit seiner Frau Gemahlin hier war!" Er erkundigte sich, wie Ihr nach Hause gekommen, wie die Überfahrt gewesen und löste dann alles ohne Abzug ein. So ebnete das gute Andenken, daß Ihr hinterlassen, auch hier die Wege. Aber nun will ich Euch erzählen, welchen Wunsch ich mir erfüllte, der sonst wohl nicht erfüllt worden wäre:
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ich kaufe mir [strikethrough:] da [/strikethrough] für [insertion] die Einlage [/insertion] eine silberne Taschenuhr, die ich [underline:] sehr gut [/underline] bei Schluck dafür bekomme. Meine goldne Uhr die mir Emil im Jahre 67 schenkte, erforderte in den letzten Jahren soviel Reparaturkosten, und steht schon wieder eine ganze Weile, daß ich sie nicht mehr machen lassen will. Nun wird die neue Uhr ein Andenken an Euch, daß ich auch äußerlich stets bei mir habe! Noch einmal! herzlichen Dank Ihr Lieben! - -
Das war aber wirklich eine großartige Überraschung, die Herr und Frau Sasse Euch bereitet hatten. Schade, daß ich nicht dabei sein konnte, als Teddy Euch "den neuen kleinen Cousin" zeigte, der sich schon so allerliebst im Bild präsentirt. Frau Dora's Tapferkeit bewundere ich sehr, daß sie bis zuletzt die langen heiteren Briefe [insertion:] schrieb [/insertion], Teddy behütet, und Euch dann so freudig überrascht
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Uberhaupt ist es mir eine große Freude, daß Eure Reise auch so harmo=nisch endete, daß Ihr all Eure Lieben gesund fandet, und noch zwei prächtige Enkel dazu, und daß Du liebe Jose, die Seekrankheit so bald überwunden und mit Teddy die weite Reise noch Chicago machen konntest! - Daß bei euch die Veilchen blühen muß ja köst=lich sein, hier ist strenger Winter! Und so schöne Scatstündchen giebt es nun nicht mehr ohne Euch! - Friedchen ist noch immer in Krefeld: nach der schönen Zeit mit Euch, die sie ordentlich aufgemuntert und verjüngt hatte, tritt auch bei ihr nun wieder das Alltagsleben in seine Rechte, das nicht [illegible, 1 word] heiter aussehen kann, obgleich Otto Schultze's Verheirathung mit Martha ihr eine große Freude ist. Jetzt haben sie in Krefeld Schneiderei und allerlei Unruhe da sehnt [insertion:] sie [/insertion] sich nach der Ruhe in ihrem Stift.
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25.1.08.
Unsere Unterwohnung ist seit dem ersten Dec. bewohnt, von einer Familie [?] Dacherow [/?], Thonröhrenfabrikant, Mann Frau und 9jährige Tochter. Wir haben aber noch nichts von ihnen gesehen, sie haben keinen Besuch gemacht, und bewohnen jetzt nur die beiden [illegible, 1 word] gen Hinterstuben. Uns sehr angenehm so werden sie nicht durch die Musik gestört. Jetzt hat auch die Kanadierin mit Musikstunden angefangen, die Euch so gerne kennen lernen wollte. Viel Deutsch hat sie noch nicht gelernt, und wir bedauern zu sehr, nicht etwas englisch von Euch gelernt zu haben. Wir hatten doch so schöne Gelegenheit! Nun, wenn Ihr wiederkommt, holen wir das nach! Zu Schade, daß wir so weit getrennt sind! Wie gern sähe ich Euch einmal in Eurem großen glücklichen Familienkreis!
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Wie schön für Euch daß Ihr 2 liebe und tüchtige Söhne, Tochter und Schwieger=sohn in glücklichsten Verhältnissen im selben Ort habt, da erwachsen Euch im Zusammensein mit ihnen, und im Emporblühen der Enkel täglich neue Freuden! Ich freue mich daß wir die Eurigen nun wenigstens alle im Bilde kennen gelernt. Auch Eure Mahnungen! Sasse's Villa deren Abbild wir auf einer Karte erhielten, muß ja auch wunderhübsch sein. Überhaupt machen die Gebäude in Brunswick einen ganz großartigen Eindruck gegen unsere kleinen deutschen Städte - besonders Angermünde! Das verkommt immer mehr.
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Nanni wohnt nun wieder dort, die Post nimmt das Haus bestimmt nicht, wie Euch Friedchen wohl geschrieben! - Wie ich zuerst auf einer Karte von Euch von einer Überraschung hörte die Euch empfangen, aber nicht welche - dacht ich erst, Euer Ludwig hätte sich verlobt. Da dies nicht der Fall, können wir vielleicht hoffen, ihn noch einmal auf einer Europa-Reise [strikethrough:] kamen [/strikethrough] bei uns zu sehen und kennen zu lernen. Denn an Frau Dora's Europa Reise ist nun wohl vorläufig nicht zu denken. - Dabei fällt mir ein, lieber Louis, hat die Zeitung: - "Der Tag" Dir vielleicht direct auf Deinen Brief geantwortet? In den Blättern stand nichts darüber, aber seitdem [insertion:] ist [/insertion] meines Wissens auch kein Artikel von Gatberg, oder wie er hieß wieder erschienen.
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Es wird aber noch viel gefabelt in den Zeitungen über die Möglich=keit eines Krieges zwischen Japan und Amerika. Ich hoffe, daran ist nicht zu denken, das kleine Japan und das mächtige Amerika! - Schuberts, die einmal im Jahr zu meinem Geburtstag schreiben schrieben, sie wären ganz betrübt, Dich, liebe Jose, nicht gesehen und Louis nicht kennen gelernt zu haben. Sie würden sich ungemein gefreut haben; es sind treue Seelen! - Und [roman:] Louis Donald Sasse [/roman] ist nun getauft, gewiß ein großer Freudentag für Euch, doppelt, da auch Euer Ludwig da war. [strikethrough:] Er [/strikethrough] [roman:] Donald [/roman] ist wohl früher getauft, wie Lucys Sohn? Dort wartet man gewiß auf Euer Kommen. Und nun lebt wohl, liebe Jose, lieber Louis, Gott erhalte Euch und Eure Lieben gesund! Mit herzlichster Liebe grüßen Euch Frieda und Eure
alte treue
A. Schorß
Letter metadata








